„Teufel auch, was hat sie denn?“ fragte der Apotheker und blickte die Glieder der Kupferstecherfamilie der Reihe nach an. „Na, was habt Ihr denn?“ fragte er noch einmal; denn auch die andern Müllerskinder und selbst der behagliche, rundliche Freund Kupferstecher konnte eine gewisse Niedergeschlagenheit nicht verbergen. „Was habt Ihr denn mit Bechern gehabt, daß Euch seine Begnadigung so zu Herzen geht; das ist mir ja etwas ganz Neues, erzählt doch! — Kennt Ihr ihn denn?“
„I, bewahre,“ sagte der Kupferstecher, „das ist den Kindern ihre Sache; Anne, wollen wir’s sagen?“ wendete er sich an seine Tochter, deren Thränen noch immer reichlich flossen; „aber das merke Dir: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Erzähle!“
Anne blickte unter Thränen auf ihre Geschwister, die beide übellaunig und verdrossen dasaßen.
„Der Vater hatte mir’s geschenkt,“ begann Anne schluchzend und blieb im Anfange stecken, denn ihre Thränen machten ihr zu schaffen.
„Na,“ ermunterte sie der Vater. Anne war aber jetzt erst recht ins Weinen gekommen und schenkte der Aufforderung fortzufahren kein Gehör, so daß der Kupferstecher selbst das Wort nahm und sagte: „Man muß immer auf das junge Volk bedacht sein, das will sich bald so vergnügen, bald so. Ein armer Vater hat seine liebe Not! Vor ein Wochner sechse verehre ich meiner Anne zu ihrem Geburtstag die beiden kleinen Zeichnungen,“ der Kupferstecher schlug mit der Hand auf eins der Heftchen, „und sagte Anne, was ich damit vorhab, daß sie in Kupfer gestochen werden sollen u. s. w., und daß der Erlös, den ich damals dem armen Tierchen im voraus verehrte, zu einer Partie nach Schwarzburg bestimmt sei. Nun haben wir’s gehabt,“ sagte er und schlug sich auf die runden Kniee. „Jetzt können wir den ganzen Schwindel einpacken, und die armen Kinder sind um ihr Sommervergnügen gekommen.“
„Das weiß der liebe Himmel,“ rief die Apothekerin mitleidig und bewegt. „Wenn von oben etwas gethan wird, Gott sei’s geklagt, daß es immer am unrechten Platze geschieht!“ Anne heulte unaufhaltsam, und die beiden älteren Geschwister versanken in einen unergründlichen Mißmut.
Der Kupferstecher war aufgestanden und ging im Zimmer auf und nieder, hatte die Hände in der Erregung über dem Bäuchlein gefaltet und schnippte mit den Daumen. Fräulein von Knebel hatte sich ganz der christlichen Pflicht zu trösten hingegeben und karessierte Annen auf alle Weise, indessen die übrige Gesellschaft nachdenklich auf die Hefte blickte, die mit einem Male wert- und bedeutungslos vor ihnen lagen.
Der Kupferstecher blieb nach längerem Aufundniedergehen stehen und sagte mit einer komischen und bittersauren Miene: „Ich bleibe dabei, es hätte dem Kerl nichts geschadet, wenn sie ihn morgen mitsamt dem andern ins Jenseits spediert hätten.“ Er schnippte mit der Hand in der Luft. „Da haben wir uns hineingerannt, allein das Papier vier Reichsthaler, Druckkosten und dergleichen gar nicht gerechnet.“
„Ja, ja, ja,“ sagte der Apotheker und schüttete ein Glas süßen Weins hinunter.
Die Gesellschaft hatte ein stilles und bedrücktes Aussehen angenommen.