Da klang plötzlich die helle, frische Stimme unseres guten Ratsmädels, der Röse. „Ich wüßte schon, wie man es machen könnte,“ sagte sie ruhig.
„Na?“ fragte der Apotheker.
„Streicht doch den Bechern aus und verkauft nur Sommer, das schadet ja nichts, wenn Becher mit daran hängen bleibt.“
„Teufelsmädchen!“ rief der Kupferstecher überrascht. „Das läßt sich hören! Ja, wenn man Kopf und Herz auf dem rechten Flecke hat!“
„Hoch Röse!“ rief der Apotheker und schwang sein Gläschen. Neues Leben fuhr in die Gesellschaft. Blaustifte wurden geholt, es wurde gestrichen, gestrichen, gestrichen, der Begnadete wurde von dem Verurteilten, dem armen, geschieden, wie das ja überall auf Erden der Fall ist.
Die Geschwister blickten wieder munter ihrer Sommerpartie entgegen, die ihnen der Tod des armen Burschen, aller Berechnung nach, einbringen sollte. Nur Anne sagte als Nachklang ihrer Schwermut mit weinerlicher Stimme: „Wenn sie den andern nur nicht auch begnadigen.“
Röse wurde an diesem Abend außerordentlich gefeiert.
„Ein heller Kopf ist etwas wert,“ sang der Apotheker in allerlei schelmischen Melodieen und Variationen ihr zu. Röse war sein ganz besonderer Liebling.
Als am Abend die Gesellschaft nach Hause ging, mußten sie an dem Gerüste vorüber, auf welchem über dem armen Schelme Sommer der Stab am andern Morgen in aller Frühe gebrochen werden sollte.
Als die lustigen Leute in der unheimlichen Nähe standen, da wurden sie alle still und bedenklich.