„Ihr seid wohl auch gerade im Sprechen?“ fragte Röse. „Wie machen wir es denn mit Sperbers?“

„Wir gehen, natürlich gehen wir,“ sagte Ernst von Schiller. „Wir wollten es nur oben bei Apothekers nicht bereden. Es paßt doch nicht, wenn wir halb Weimar dem alten Sperber auf den Hals bringen, und Müllers wären ruhig mitgegangen, die machen alles mit. Nein, wir wollen unter uns bleiben. Die Schwestern sind natürlich bereit und lassen Euch sagen, Ihr sollt Eure rotpunktierten, hellen Kleider mitnehmen. Sie machen es auch so.“

„Nun, und wann gehen wir?“ fragte Röse.

„Heut’ haben wir Freitag,“ erwiderte Marie, „da dächte ich, wir setzten Montag fest, da kommen wir um die Kirche, denn Sperber würde uns auf alle Fälle hineinstecken, der hält’s nun einmal mit seinem Pfarrer.“

„Und wir müssen so schon bei Pastors schlafen,“ fuhr Röse dazwischen. „Wir wissen es, wie es dort ist, nicht, Du?“ sagte sie lachend zu Marie.

„Ja, schade, daß Ihr nicht bei Sperbers unterkommen könnt,“ meinte Budang.

So waren sie bis vor Röses und Maries Haus gekommen. Großer Abschied, und die Mädchen tappten miteinander die dunklen Treppen hinauf.

Am andern Morgen sah die Mutter mit ihnen die rotpunktierten Kleider durch; beide bestürmten sie auf das innigste, liebenswürdigste und überzeugendste, sie wollten ein neues Band auf ihre großen Hüte, und sie bekamen es und waren glücklich.

Mittlerweile war der unglückliche Sommer auf seiner Kuhhaut dem Tode zugeschleift worden, und der Galgen trug seine Zierde zum letztenmal, denn Sommer war Weimars letzter Gehenkter.

Am Montag, himmelfrüh, brach von der Wünschengasse die Gesellschaft auf, unsere fünf guten Freunde, die beiden Schillerschen Töchter und ein kleines, mageres Pferdchen, das mit Ernst von Schiller in Beziehung stand, da es von ihm schon zu manchem Spazierritt gemietet worden war, wenn er einmal Lust bekam, auf Pferdesrücken sich dem Leben und seinen Gefühlen hinzugeben.