Jetzt war es mit Shawls, mit Päckchen und Körben beladen. Die rotpunktierten Kleider von den Ratsmädchen und den Schillerschen waren sorgsam dem guten Tiere anvertraut worden, und Ernst bekam von den Schwestern und von Röse und Marie wahrhaft begeisterte Erklärungen, die seine Klugheit, seinen ausgezeichneten Verstand betrafen.
Er hatte nämlich die Gesellschaft mit der Idee und deren Ausführung, das Pferdchen zu engagieren, überrascht. So zogen sie durch die morgenstille Stadt, dem langgestreckten Ettersberge zu, nach dem Gute des alten Sperber.
Welch schöne Verbindung von erster Jugend, herrlicher Morgenfrische, Aussicht auf ein paar gute Tage, allseitigem Wohlgefallen aneinander und Sorglosigkeit gab unsere Gesellschaft ab!
Sie hatten einen tüchtigen Marsch bis zum Gute des Herrn Sperber vor sich, und ein gutes Stück mußten sie über Felder, über schattenlose Wege gehen; aber ein frischer Wind wehte den ganzen Tag. Das Korn stand in Blüte und duftete, und die Sonne ließ die Wangen höher glühen; sie ließ die Züge der schönen Mädchen noch weicher, lebensvoller als sonst erscheinen.
Budang, ein großer Botaniker, war bemüht, die Gesellschaft auf allerlei Merkwürdigkeiten aufmerksam zu machen, und es dauerte nicht lange, so hatte das Pferdchen eine kleine Naturaliensammlung auf dem Rücken, und die Mädchen rote Mohnkränze auf den Köpfen.
Die Wege auf dem Ettersberg gaben dem Sammler reiche Ausbeute an allerlei Versteinerungen, und die Mädchen wußten es schon, es gab für alle zu schleppen, wenn sie mit Budang dort lustwandelten.
Gegen Abend erst gelangten sie zu ihrem Ziele, denn der Weg war durch allerliebste Aufenthalte, kleine Mahlzeiten, so viel als möglich verlängert worden.
Vor dem Gutsthore kam ihnen eine wohlbekannte Gestalt entgegen. Das war die Gutsbesitzerin selbst, die lustige, kleine Alte mit der großen, rosa Schürze, dem Schlüsselbunde, den nickenden Bändern an der Haube. Ein Windzug bewegte ihr die weite Schürze und ließ sie, bestrahlt von der Abendsonne, flattern und in unerhört Rosa-Farben-Tönen leuchten.
Die wartende Gestalt mochte auf die ankommenden Gäste einen verheißungsvollen Eindruck machen; denn mit Jubel und Winken und heiteren Lauten, mit noch durch die Entfernung unverständlichen Zurufen näherte man sich ihr.
Und ebenso schien sie erfreut zu sein, als die mit rotem Mohn bekränzten Mädchen, das Pferdchen, die drei Kameraden herankamen, denn sie schlug einmal über das andere Mal die Hände zusammen, man sah sie schon von weitem lachen, und als die Gäste so nahe waren, daß man wagen konnte, die Begrüßungsformeln etwas detaillierter und augenscheinlicher machen zu können, schwenkte die kleine, runde Frau ihr Schlüsselbund in der Luft und ließ es klingen und that dies mit außerordentlicher Geschicklichkeit, bog sich dabei mit dem Oberkörper hin und her, im Takte, je nachdem sie mit dem Schlüsselbunde, das sie wie eine Castagnette handhabte, klirrte und klapperte.