Damit wendete sich Röse ab und huckte sich neben die Gutsbesitzerin auf ein Fußbänkchen, das dort stand, legte ihren Kopf auf die Kniee der kleinen Frau und ließ sich wie eine Katze streicheln und im blonden Haar krauen und knurrte dabei vor Behagen; vielleicht, um damit zu beweisen, daß sie sich trotz des Ärgers außerordentlich wohl befände.

„So macht sie’s,“ sagte Marie zu den drei Kameraden, „da mag zu Hause geschehen, was da will, und wenn sie eine um die Ohren gekriegt hat. Wir kennen das schon.“

Franz Horny fragte: „Dauert’s lange bei ihr?“

„Bewahre,“ teilte Marie ihm mit, „wenn wir irgend etwas Neues jetzt anfangen, da ist alles vorbei; aber hört nur!“

Wie Marie vorausgesagt hatte, so geschah es; als man mitten in einem neuen Spiele sich vergnügte, war unsere Katze glatt und munter wieder dabei. Nicht gar zu spät trennte man sich, denn die Ratsmädchen durften die Pastorsleute nicht aus dem Bette holen. Die Gutsbesitzerin trieb die beiden an, als es Zeit war, zu gehen, lud ihnen ihr Bündelchen auf und entließ sie mit der Weisung, vernünftig zu sein und dort die Wirtschaft nicht noch zu verschlimmern. Als sie durch den Pfarrgarten gingen, kam ihnen ihre frühere Lehrmeisterin entgegen. Sie schien vor dem Hause etwas zu lustwandeln.

„Da kommt Ihr ja,“ rief sie den Mädchen zu. „Ihr müßt aber mit unten schlafen, hat es Euch die Sperbern schon gesagt?“

„Ja,“ erwiderte Marie.

„Nehmt’s, wie es ist,“ fuhr die Pfarrerin trocken fort. —

Sie traten miteinander in den Hausflur ein; da drang aus einer halb offenen Thür, aus der ein matter Lichtschein in die Dunkelheit fiel, ein merkwürdiges Summen, Poltern, Kreischen, Quieken, Schimpfen, Rücken, Zischen und Huschen.

„Da schlafen die Kinder,“ teilte die Pfarrerin mit und öffnete die Thür vollends. Welcher Anblick! In einem durch eine Öllampe, die mitten im Zimmer von der Decke herabhing, dämmerig erleuchteten Raume bewegte es sich auf eine überraschende Weise. Überall schlüpften rosige, weiße Gestalten. Auf den Betten sprang es, auf der Diele schlüpfte es, und bei dem ersten Schritte in dieses Reich zupfte es schon von allen Seiten den Mädchen an den Röcken.