„Daß Euch doch gleich!“ rief die Pfarrerin und schwang in demselben Augenblick einen Stock, den wohl ein guter Geist ihr während ihres Eintrittes in die Hand gespielt haben mußte, denn kurz vordem wußten Marie und Röse, daß sie unbewaffnet gewesen war.

„Wollt Ihr wohl!“ rief sie, „Ihr Pack, geht in die Betten!“

Erheitert durch diese kräftige Anrede wurde dem Befehle der Pfarrerin auf schreiende, kreischende Weise nachgekommen. Sie gingen in die Betten.

Marie und Röse folgten den Bewegungen ihrer früheren Lehrmeisterin, wie diese sich über das eine und andere Bett bog: in jedem lagen zwei bis drei Pastorskinder für die Nacht verpackt. Sie sahen, wie die Herrin dieser Schlafstube Decken energisch feststopfte, bedeutungsvolle Püffe austeilte und auf alle Weise bemerklich zu machen suchte, daß sie Ruhe wünsche.

In unklaren, kurzen Redensarten teilte sie, wie es schien, Befehle aus, wie: „Fort, Du da aus dem Bett, fort da in das Bett! Das Bett bleibt frei!“

„Der haben sie schon übel mitgespielt,“ bemerkte Röse trocken zu Marie gewendet. „Sieh nur, wie verschlumpt sie ist. Du lieber Gott, sie war zwar unsere Lehrerin, aber leid thut sie mir doch!“

Es brauchte nur ein armer Sterblicher nach Rösens Meinung das Unglück gehabt zu haben, Mariens oder ihr Lehrer gewesen zu sein, so schien er ihnen für eine fühlbare Wiedervergeltung des Jammers, den er ihnen verursacht hatte, reif genug.

Aber dieses Maß, das über die arme Pfarrerin ausgeschüttet wurde, erschien selbst Rösen überreichlich.

„Ihr müßt schon hier fürlieb nehmen,“ sagte die Frau außer Atem. „Hier in dem Bett könnt Ihr schlafen.“ Sie wies auf ein breites Bett, das wahrscheinlich drei Pfarrerskinder, die nun enger zu einander gesteckt waren, den Gästen zuliebe hatten räumen müssen.

„Macht’s Euch bequem.“ Diesen kühnen Ausspruch in dieser Umgebung that die Pfarrerin auf eine sonderbare, fast spöttische Weise, als wollte sie sagen: „Mache es sich hier einer bequem!“