„Na, legt Euch nur hin, sie werden es ja gnädig heut Nacht machen … Daß Ihr mir die Mädchen nicht stört!“ rief die Pfarrerin mit Feldherrnstimme. „Hier den Fritze,“ sie zeigte nach einem Bette, „den laßt nur ruhig, der hat den Keuchhusten. Er macht es mit sich allein ab, das ist das beste. Schlafet wohl, ich muß hinauf zu den zwei kleinen Schreihälsen, wenn das nicht wäre, da hätte ich es anders mit Euch eingerichtet.“
Die Pfarrerin ging und ließ die beiden Mädchen mit der heimtückischen Gesellschaft allein. Kinder, die mit blinzelnden Augen warten, bis die Mutter glücklich zur Thür hinaus ist, um dann unter den Decken vorzuschlüpfen und einen Hexensabbath nach ihrer Art zu feiern, sind das heimtückischste, was man sich vorstellen kann.
Noch blieben sie ruhig, und die Mädchen begannen, sich auszuschälen, vorsichtig, lautlos, denn es verlangte sie durchaus nicht danach, das Schauspiel von vorhin, als sie eintraten, wiederholt zu sehen.
Sie saßen miteinander in ihren Röckchen auf dem Bettrand und flochten sich die Zopfenden fester; da regte es sich hinter ihnen, zwei Burschen und ein Schwesterlein huckten da, befühlten die Zöpfe der Gäste, und der kleinste Bube krabbelte vorsichtig mit den Fingerchen über Rösens Hals. —
„Da sind sie,“ sagte Marie seufzend, die sich durchaus nicht gern um ihren Schlaf bringen ließ.
Ja, da waren sie. Jetzt noch schweigsam, vorsichtig, etwas scheu; aber schon wichen diese mildernden Umstände. Das Bübchen, das zaghaft über Rösens Hals hingetippt hatte, schlug jetzt, in erwachendem Sicherheitsgefühl, mit der flachen Hand auf ihr weißes Fellchen los.
Die machte kurzen Prozeß, langte sich den kleinen Schelm vor und zog ihm ein paar Tüchtige über, denn sie fand es für vorteilhaft, sogleich ein Exempel zu statuieren. Statt der erwarteten Wirkung aber trat eine allgemeine Begeisterung über Rösens Handlungsweise ein.
Sie sprangen wie auf ein gegebenes Zeichen aus den Betten und bestrebten sich allesamt und sonders, auf das Lager der armen, müden Dinger zu gelangen. Sie überpurzelten sich, die größeren stießen die kleinen herab, die kleinen kniffen und bissen die größeren in die Beine.
Schon hatten einige der kleinen Gestalten ihre weißen Lümpchen verloren und umkrochen, umpurzelten, über und über rosig, die beiden guten, ratlosen Ratsmädchen.
Es schien bei Pfarrers, wie bei den alten Römern, Sitte zu sein, in der höchsten Regung der Begeisterung, wenn ein Schauspiel zum vollen Beifall aufforderte, ein Kleidungsstück nach dem andern in die Höhe zu werfen, bis die Begeisterung befriedigt, und die Kleider ein Ende erreicht hatten.