„Ja,“ prustete Röse, die tüchtig getaucht war, und der das Wasser bis an das Kinn ging.
„Dann tapp vorwärts,“ kommandierte Marie mit aller Kaltblütigkeit. Die beiden hatten Routine und benahmen sich bei solchen Gelegenheiten tadellos.
„Hier ist verdammter Schlick am Boden! Pfui Kuckuck!“ schimpfte Röse.
„Warum bist Du ’rein gefallen!“ gab die Schwester zur Antwort. „Vorwärts!“
Budang und Ernst von Schiller zogen den Fisch schließlich zum Ufer hinauf.
„Nehmt Euch in acht, nehmt einen Stock, daß sie Euch nicht so sehr anfaßt!“ ermahnte Marie bei dieser Prozedur fortwährend. „Ihr habt keine Wäsche weiter mit.“
Da stand nun der arme Schelm, die Röse, in der warmen Sonne lebendig zwar, aber triefend und tropfend. Um die allerliebste Gestalt lag das dünne Kattunkleidchen wie ein Schleier, aus den Zöpfen rannen Wasserbächlein.
Ernst von Schiller war auf seinem geschmähten Reitpferd davon galoppiert, um ihr vom Gute Kleider zu holen.
Franz Horny, der zukünftige Maler blickte wie versunken auf Röse hin und sagte ruhig und träumerisch, wie es seine Art war, zu Budang: „Giebt es etwas Hübscheres, als unsere beiden Mädchen?“ Budang nickte ihm zu.
Inzwischen hatten sie Rösen ein Kämmerchen aus duftendem Heu aufgeschichtet, in dem sie aus ihren nassen Kleidern in trockene kriechen konnte, die durch Ernst von Schillers Bemühen und durch des Pferdchens Anstrengung schnell genug da sein mußten. Und so schnell, wie es sich irgend erwarten ließ, kam er auch angesprengt und schwenkte das punktierte Kleid lustig, wie eine Fahne. Als er Marie alles überreichte, sagte er in der lebendigen Erregung des schnellen Rittes: „Famos ist es, was für Unsinn die Leute sagen, wenn man mit einer unverhofften Nachricht kommt. Die Patin steht in der Thür, und ich rufe: Röse steckt im Wasser bis über die Ohren! Herr Jeß! schreit die Patin: Da ist sie gewiß naß? Damit war sie aber schon in vollem Trab ins Haus hinein und nach den Kleidern.“