Marie reichte der Schwester die Sachen in das Heukämmerchen von oben hinein. Und es dauerte nicht lange, da bohrte sich Röses freudestrahlendes Gesicht durch die duftende Wand.

„Ich bin jetzt schon ganz hübsch trocken!“ versicherte sie der Gesellschaft. „Es dauert gar nicht mehr lange, aber es geht so schwer, ich muß mich auf den Knieen anziehen, sonst gucke ich oben übers Heu heraus!“

„Na, mach nur,“ rief Marie, „und trödle nicht!“

Als Röse nun wieder im Schmucke des punktierten Gewandes, heiter und lustig wie ein Morgenstern, durch ihre Heumauer kroch, stieg die prächtige Laune höher und höher. Sie sprachen dem Äpfelwein der Patin auf das lebhafteste zu, verzehrten, was sich von ihrem Vorrat verzehren ließ, alles, bis auf Gläser und Teller, und verabredeten für den andern Tag abends einen Rettungsball zu Rösens Ehre. Die Volontäre auf dem Gute wollten sie veranlassen, noch einige Freunde und Mädchen aufzufordern, denn die Sache sollte außerordentlich werden.

Und es kam zu diesem Balle. Es kam zu allem Glanze dieses Balles, es kam noch zu den schönsten Stunden.

Die blumengeschmückten, hübschen Kinder tanzten bis in die stille Nacht mit ihren lieben Kameraden, schienen die fremden Gäste nur deshalb gewünscht zu haben, um desto ungestörter mit den Freunden zusammen sein zu können, und es war ihnen eine Erhöhung des Vergnügens, daß sich außer ihnen noch mehr festliche Gestalten im Garten und Haus bewegten. Durch ihre frohen Gäste bekamen sie wohl unbewußt die Bestätigung, daß das Leben wirklich schön, wirklich überreich sei. Was that es den Ratsmädchen, daß sie aus dem lustigen Treiben am späten Abend in das Schlafzimmer der Pfarrerskinder schlüpfen mußten, daß sie dort nachtsüber allerlei Abenteuer durchzumachen hatten, allerlei sonderbares Zeug und viel Geschrei und Gezänk.

Sie hatten sich auch bald in Respekt gesetzt durch tüchtige Püffe, die sie am Morgen von ihrem Bette aus, halb im Schlaf, jedem versetzten, der sich ihnen nähern wollte, und sie blieben unbehelligter.

Tagelang hatten sie schon auf dem Gute die Zeit überdauert, die sie anfangs bleiben wollten, da kam eines Morgens Franz Horny in den Pfarrersgarten gelaufen und pfiff vor dem Fenster des großen Schlafzimmers.