„Mein Geschmack ist er nicht,“ erwiderte Marie kurz, „und ich kann nicht sagen, daß es mir recht wäre, wenn Du Dich in den gerade vergucktest.“

„Schaf, wer redet davon,“ war Rösens kräftige Antwort. Da ging die Hausthür unten wieder.

„Herrjes, das könnte er aber sein!“ flüsterte Röse.

Es bewegte sich ruhig, mächtig, majestätisch die Treppe hinauf, das waren andere Fußtritte, eine andere Gangart, als die heftige, stürzende des unliebenswürdigen Gastes von vorhin.

Röse hatte recht gehabt, er war es, Goethe war es.

Mit klopfendem Herzen standen die beiden schönen Geschöpfe auf der obersten Treppenstufe und blickten auf ihn, wie er langsam und bedächtig die Treppe herauf geschritten kam, den Schlapphut auf dem Kopf, um die mächtigen Schultern einen dunklen, faltenreichen Mantel.

Als er auf dem letzten Treppenabsatz angekommen war, blieb er stehen, blickte auf und gewahrte die beiden schönen Botinnen, die ihn erwarteten. Der Anblick erstaunte ihn. Er verharrte einige Momente im Anschauen der Mädchen.

„Artig! Anmutig, sehr anmutig!“ rief er aus.

Die Genien gingen ihm ein paar Stufen entgegen und, als wäre der Teufel in sie gefahren, so waren sie mit einem Mal verändert. Ihre Schüchternheit, ihre Angst war gewichen, jede Bewegung wurde begeisterte Hingebung und Grazie — und sie empfanden, als flögen sie Goethe selig entgegen.

Als sie die Arme ausstreckten, um seine Hände scheu zu fassen, schaute Goethe wie ergriffen auf die jugendlichen Gestalten und sagte mit eigentümlich mächtiger Betonung: