Dunkle Augen seh ich blinken

Unter dichtem Blumenkranze!

Darauf ergriff er die Hände der Mädchen, nickte ihnen freundlich zu und ließ sich hinauf geleiten.

Als er mit den beiden schönen Gestalten in das Zimmer seiner Freundin zu den Gästen eintrat, war bemerkbar, daß dieses Eintreten auf die Anwesenden eine wunderbare Wirkung hatte.

„Wie schön Sie Ihre Gäste empfangen, Frau Johanna.“ Mit diesen Worten begrüßte Goethe die Frau des Hauses. „Haben Sie Dank dafür.“

Das Zimmer, in das sie eintraten, war langgestreckt, fast ein Saal zu nennen, vierfenstrig. Die Wände mit der sonderbarsten Tapete bekleidet, welche die Geschichte des Joseph in Egypten grau in grau darstellte. Die Grube, in die die bösen Brüder ihren jüngsten gesteckt hatten, die Käufer des guten, verwöhnten Knaben, die Träume des Pharao, das Wiedersehen mit dem alten Vater, all dies war an den Wänden des Salons der Frau Johanna zu sehen. Der Saal ist unverändert geblieben noch bis vor einigen Jahren. Jetzt dient er einer Restauration, und die bösen Brüder, der alte Vater, der gute Joseph, die alle in dem Salon der Madame Schopenhauer auf die berühmten Leute, die sich dort bewegt haben, herabgeblickt hatten, sind mit rosa Ölfarbe übertüncht.

Diesen Abend wurden die Ratsmädchen außerordentlich gefeiert. Sie bewegten sich unter den berühmten und geistreichen Leuten wohlgemut und hörten von allen Seiten Artigkeiten. Goethe setzte sich eine Weile während einer kleinen Aufführung, die Adele, die Pogwischs und August von Goethe veranstalteten, zwischen die beiden Schwestern. Er erzählte ihnen, daß er sie gar wohl kenne und schon oft Freude an ihnen gehabt habe.

„Welche Fülle,“ sagte er und strich Marie über die goldschimmernde Haarflut, die reizend an ihrer schlanken Gestalt hinabfloß.

Röse und Marie bemerkten, daß Arthur Schopenhauer und Goethe an diesem Abend auf das eifrigste miteinander sich unterhielten.

„Du, Dein Kater sprüht Funken,“ sagte Marie zu Röse und zeigte auf Arthur Schopenhauer, aus dessen Zügen das Leben, während er sprach, wahrhaft leuchtete.