„Das ist ja eine artige Idee,“ rief Goethe.

Und als er eins der Püppchen in die Höhe genommen und den Zettel gelesen hatte, welcher demselben an das kleine Maul befestigt war, lachte er, daß Röse und Marie ihn ganz verblüfft ansahen, denn nie hatten sie sich vorgestellt, daß der Goethe lachen könnte. Er war ihnen immer als ein majestätischer, etwas steifer, alter Herr erschienen.

„Nun, Kinder, sagt mir,“ fragte er, „wer die Verse gemacht hat.“

„Die Fabianen,“ antwortete Röse. „Hier nennen die Leute sie die Rabenmutter!“

„Ah die!“ sagte Goethe. „Da könnt Ihr berichten, daß ich mich allerbestens bedanke für ihre artigen Verse.“

Er hielt eben das Figürchen mit den zerrissenen Strümpfen und das Hausmütterchen in der Hand und betrachtete beide.

„Ich werde das allerliebste Ding meinem Sohne heut’ mitbescheren.“

Röses und Maries Achtung vor ihrem Kunstwerke war wieder sehr gestiegen, und sie fanden, daß es in Wahrheit ein wundervolles Gärtchen sei, und daß Goethens August seinen hübschen Ärger darüber haben würde.

Mit Frankfurter Brenden beschenkt, wurden sie von Goethe aufs freundlichste entlassen und liefen seelenvergnügt nach Hause.

Da ist noch viel Wunderbares passiert; aber wir wollen es hier von der alten Kummerfelden genug sein lassen. Ich hab noch so manches von ihr und der Rabenmutter geschrieben — in einem zweiten und wohl auch dritten Band der neuen Ratsmädel- und altweimarischen Geschichten — was mir mein liebes Gomelchen, das Ratsmädel, die Röse, von sich und andern Leuten, die zu der schönen, guten, altweimarischen Zeit lebten, erzählt hat. Ich hab da eine lustige Geschichte, wie die Ratsmädchen und die Kummerfelden von einem alten, sonderbaren Herrn Rat in seinem geheimnisvollen Garten geküßt worden sind und zwar, weil er alle drei nicht ausstehen konnte, und weiter: Wie sich die Kummerfelden einen alten Franzosen mit seiner Frau in dem Entenfang einlogiert hat und was die getrieben haben und dann: Wie Röse und Marie sich verliebt und verlobt haben und wie sie mit ihren Freunden Budang, Horny und Schiller bei Nacht und Sturm ausgezogen sind, um die Göchhausen spuken zu sehen, und eine düstere, rührende Geschichte von zwei Schwestern, die oben im alten Rödchen bei Weimar sich abgespielt hat; — und von Apothekers und Frau Rat Tiburtius und der Lawine — und die Geschichte vom ehrbußlichen Weiblein, das oben über Goethens Garten in einem Sommerhaus mit ihrem brummigen Gatten wohnte und diesem einen schlimmen Streich spielte — und von den behaglichen, spielerischen Leuten in der Marschallstraße, die in allen Dingen dem Schicksal über waren, und zuguterletzt, wie die Enkelin der Ratsmädchen zum Blaustrumpf wurde. —