Denke man sich einen schönen, mächtigen Wald, unübersehbar; göttliche Frische lebt in ihm. Es ist eine Welt für sich, eine herrliche Erscheinung, und er hat sich gebildet dadurch, daß unzählige große und kräftige und geringe Bäume, ungezählte Daseinskräfte, mächtige und zarte, sich zu einem Ganzen hier zusammenthaten, zu einem einzigen Begriff, der alles einzelne in sich begräbt.

So ist es auch im menschlichen Leben: um einen Begriff, eine Erfahrung zu schaffen, gehören Millionen, die diese Erfahrung an sich erprobten, die diesen Begriff durch ihr Aufgehen in demselben bildeten.

Wie ein Baum uns nie die Erscheinung eines Waldes geben kann, so würde der erste Tugendhafte uns nie den Begriff der Tugend geben können, der erste Leidende nicht den des Leidens, der erste Glückliche nicht den des Glückes, der erste junge Mensch nicht den der Jugend.

Ungezählte mußten gelitten haben, ehe die Welt von Leiden reden konnte; Millionen mußten glücklich gewesen sein, ehe das Bild des Glückes, Millionen mußten sündigen, ehe das Bild der Sünde entstand.

Ein Begriff ist der große Wald, in dem das einzelne aufgeht, um ein Ganzes bilden zu helfen. Und ich sage hier noch: Ungezählte mußten in Jugend erblühen und wieder dahinwelken, ehe wir von Jugend als von einer Glückseligkeit reden konnten.

Das Wort, der Begriff „Jugend“ ist das Grab, in das Jugend aus Jahrtausenden sank und ihr seliges Erbteil dem Worte überließ, so daß es Kraft hat, den, der es recht ausspricht, mit Wonne, Wehmut und allem Wundervollen, das je gefühlt ist, zu überschütten.

Und diese Zeilen, diese munteren, harmlosen Geschichtchen haben weiter kein Ziel, als das: dem reichgeschmückten Worte, an dessen Pracht und Zauber die Geschlechter der Erde von Anbeginn an wirkten, noch ein schimmerndes Flitterchen mehr anzufügen.

Letzte Geschichte.
Das Gomelchen.