„Geht zu ihr,“ sprach der Befehlshaber, „und sagt ihr, sie möge sich ankleiden; denn sie muß auf der Stelle dieses Haus verlassen und uns folgen. Seid gehorsam, denn es täte mir leid, wenn ich Gewalt anwenden müßte.“
Die Magd lief in angstvoller Eile die Treppe hinauf und weckte Adolfs Schwester.
„Ach, Herrin,“ rief sie, „steht schnell auf, das ganze Haus wimmelt von Soldaten!“
„Himmel,“ sagte Maria mit bebender Stimme, „was sagst du? Soldaten in unserem Hause? Was wollen sie?“
„Sie wollen die Gräfin van Bethune sofort wegführen. Bitte eilt, denn sie schläft noch – ich fürchte, die Soldaten könnten in ihr Zimmer dringen.“
Hastig, ohne Antwort warf die erschrockene Maria ein weites Gewand über und ging mit der Magd zu Herrn de Cressines, der noch auf dem Gange stand. Zwei Diener des Hauses waren auf das Geschrei der Magd herbeigelaufen und standen entmutigt zwischen den französischen Soldaten. Man hatte sie gepackt und festgehalten.
„Mein Herr,“ fragte Maria den Anführer, „wollt Ihr mir sagen, warum Ihr so zur Nachtzeit in meine Wohnung dringt?“
„Ja, edle Dame,“ bekam sie zur Antwort, „es geschieht auf Befehl des Landvogts. Gräfin Machteld van Bethune, die hier wohnt, muß uns unverzüglich folgen. Fürchtet nicht, daß sie schlecht behandelt wird. Ich verpfände Euch meine Ehre, daß kein Wort sie kränken soll.“
„O mein Herr,“ rief Maria, „wüßtet Ihr, welches Los Ihr dem Mägdelein bereitet, Ihr würdet unverrichteter Sache wieder fortgehen; denn ich entnehme Euren Worten, daß Ihr ein ehrenwerter Ritter seid.“