„Ihr habt recht, ich bin kein Freund solcher Unternehmungen, aber den Befehl meines Feldherrn muß ich pünktlich ausführen. Wollet mir also die Jungfrau Machteld ausliefern; wir können nicht länger warten. Erspart mir strenge Maßregeln.“

Maria sah wohl, daß nichts diesen Schlag abwenden konnte; doch verhehlte sie ihre tiefe Betrübnis vor den fremden Kriegsknechten und weinte nicht. Mit sichtlichem Abscheu schaute sie auf den Vlaemen, der in einem Winkel des Ganges stand, und ihre Blicke schienen ihm seinen Verrat vorzuwerfen. Meister Brakels war nicht kühn genug, dem entrüsteten Mägdelein in die Augen zu sehen. Zitternd ward er sich nun bewußt, welche Rache ihn verfolgen würde, und wich einige Schritte zurück, als ob er fliehen wollte.

„Man bewache diesen Vlaemen,“ rief Cressines seinen Leuten zu; „laßt ihn nicht fort; denn wer wie er seine Freunde verrät, ist zu allem fähig.“

Meister Brakels wurde beim Arm gepackt und mit Gewalt zwischen die Soldaten gedrängt. ‚Verräter‘ ward er geschmäht, und die Verachtung der Männer, denen er gedient hatte, war sein Lohn.

Maria verließ den Gang und trat bekümmerten Herzens in Machtelds Schlafgemach; wie erstarrt blieb sie vor dem Bette stehen und betrachtete das unglückliche Mägdelein, das so sanft schlief. Eine helle Träne glänzte unter seinen Wimpern, und der Atem ging schwer und fiebrig. Plötzlich zog es die Hand unter der Decke hervor und reckte sie, als wollte es ein Schreckbild verscheuchen. Aus dem unverständlichen Gemurmel tönte mehrmals Adolfs Name wie ein Hilferuf.

Tränen brachen aus Marias Augen; der Anblick griff ihr tief ins Herz, und ihr Mitleid wuchs noch bei dem Gedanken an das Leid, das das arme Mägdelein fürder erdulden sollte. Doch so sehr sie sich auch quälte, ihrer unglücklichen Freundin die Nachricht zu bringen, sie durfte nicht zögern, die Zeit war kostbar. Jeden Augenblick konnten die Söldner in das Zimmer treten, und welchen Schrecken, welchen Kummer hätte dann die edle Machteld erlebt! In dieser Erkenntnis ergriff sie die Hand ihrer Freundin und weckte sie mit den Worten:

„Meine liebe Machteld, wachet auf, ich habe Euch etwas Eiliges zu sagen.“

Die Berührung Marias hatte das Mägdelein heftig erschreckt; weit öffnete sie die Augen und zitterte, während sie ihre Freundin unsicher anschaute.

„Seid Ihr es, Maria?“ fragte sie und rieb die tränenfeuchten Augen; „was führt Euch zu so ungewöhnlicher Stunde zu mir?“

„Ach, meine arme Machteld,“ rief Maria weinend aus, „steht auf. Hier ist Euer Kleid, – steht rasch auf, ein großes Unglück steht Euch bevor.“