Erschrocken sprang Machteld auf und blickte Maria ängstlich an; die weinte bitterlich, während sie Machteld ankleidete. Erst als sie ihr ein langes Reitkleid reichte, antwortete sie mit einem tiefen Seufzer:

„Ihr geht auf Reisen, edle Dame, der heilige Georg beschütze Euch!“

„Aber warum dieses Reitkleid, meine teure Maria? Ach, jetzt sehe ich, welches Los meiner harrt! Mein böser Traum ist wahr geworden: als Ihr mich wecktet, sah ich mich in Frankreich, vor Johanna von Navarra. O Gott, nun ist alle Hoffnung dahin! Ich werde das schöne Flandern nicht wiedersehen, und Du, mein teurer Löwe, du lieber Vater, wirst Dein Kind vielleicht nicht mehr in dieser Welt wiedersehen …“

Maria hatte sich gramverzehrt in einen Sessel niedergelassen und schluchzte schweigend. Sie brachte es nicht über sich, die Befürchtungen ihrer Freundin zu bestätigen. Nach einigen Augenblicken warf sich ihr die geängstigte Machteld um den Hals und sagte:

„Weinet nicht so um mich, liebe, teure Freundin. Schon längst bin ich mit Unglück und Elend vertraut; für das Haus Flandern ist alle Ruhe, alle Freude dahin.“

„Unglückliches, edles Mägdelein,“ schluchzte Maria, „Ihr wißt nicht, daß drunten französische Söldner Eurer harren, daß man Euch auf der Stelle fortführen wird.“

Das bleiche Mägdelein erschauerte bei diesen Worten.

„Söldner?“ rief sie. „Soll ich der Roheit unedler Mietlinge ausgesetzt sein? O liebe Maria, schützet mich … O Gott, könnte ich jetzt sterben! Robrecht, Robrecht, wüßtet Ihr, welche Schmach Eurem Kinde widerfährt!“

„Erschreckt nicht so; ein ehrenwerter Ritter ist bei ihnen.“

„So ist denn die Unglücksstunde gekommen; ich muß Euch verlassen, Maria, und die böse Königin von Navarra wird mich, wie meinen Vater, einkerkern. Doch es sei! Es gibt einen Beschützer im Himmel, der mich nicht verlassen wird …“