Seine stolzen und gebieterischen Blicke auf die Streitenden machten ihn sogleich als Vorgesetzten kenntlich. Sowie die Soldaten seiner ansichtig wurden, verstummten die Flüche und Scheltworte, und die Schwerter fuhren schleunigst in die Scheiden.

Johann und der Bretone kündeten einander durch Blicke an, daß der Kampf nur aufgeschoben sei, und traten mit den anderen zu ihrem Vorgesetzten, der sie fragte:

„Seid ihr bereit, Leute?“

„Wir sind fertig, Herr de Cressines!“ klang es zurück.

„Beobachtet die größte Stille,“ nahm de Cressines das Wort, „und vergeßt nicht, daß das Haus, in das uns dieser Bürger führt, unter dem Schutz unseres Feldherrn Châtillon steht. Der erste, der irgend etwas anrührt, wird es bitter bereuen. Man folge mir.“

Der Bürger, der den französischen Kriegsknechten als Führer diente, war eben jener Meister Brakels, der Leliaert, der aus der Weberzunft ausgestoßen worden war. Als die Söldner mit ihrem Anführer auf der Straße waren, ging Brakels schweigend voran und führte sie durch die Finsternis in die spanische Straße zur Tür von Herrn van Nieuwlands Wohnung. Hier stellten sich die Söldner längs der Mauer auf und atmeten kaum, damit man ihre Gegenwart nicht bemerkte. Meister Brakels ließ den Klopfer des Tores leise niederfallen. Nach einigen Augenblicken kam eine Dienstmagd in den Gang und fragte mißtrauisch, wer so spät anklopfe.

„Öffnet rasch,“ gab Brakels zur Antwort, „ich komme von Meister de Coninck mit einer eiligen Nachricht für Jungfrau Machteld van Bethune. Zögert keinen Augenblick; denn die Jungfrau ist in großer Gefahr.“

Die Dienstmagd war weit entfernt, Verrat zu argwöhnen. Sie zog den Riegel weg und öffnete die Tür rascher als sonst wohl. Aber wie groß war ihre Bestürzung, als acht französische Soldaten hinter dem Vlaemen her in den Gang drangen. Ihr gellender Schrei scholl bis in die entlegensten Gemächer des Hauses, und sie wollte sich durch die Flucht retten. Aber Cressines hielt sie zurück.

„Wo ist Eure Gebieterin, Machteld van Bethune?“ fragte Cressines mit kalter Ruhe.

„Gräfin Machteld hat sich schon seit zwei Stunden zur Ruhe begeben, und nun schläft sie,“ stammelte die erschrockene Magd.