„Nein, nein!“ rief der Bretone und ließ die Würfel rasch aus den Händen rollen. „Das Glück kann sich wenden – seht Ihr wohl? Zwölf!“

Nun warf Johann die Würfel nachlässig auf den Tisch. Da er unglücklicherweise diesmal nur sechs bekam, nahm der Bretone mit Freudenrufen das Geschmeide an sich und barg es unter seinem Harnisch. Johann wünschte ihm mit erkünstelter Ruhe Glück zu seinem Gewinn und schien sich über den Verlust nicht sonderlich zu grämen. Aber in seiner Brust fraß geheimer Grimm, und er konnte sich nur mühsam zurückhalten. Während der frohe Gewinner mit einem anderen Genossen sprach, flüsterte Johann denen, die bei ihm standen, etwas ins Ohr und schien den Bretonen durch seine Blicke ihrer Aufmerksamkeit anzuempfehlen; dann rief er:

„Da Ihr mir alles abgewonnen habt, Kamerad, werdet Ihr es mir nicht abschlagen, das Glück noch einmal zu versuchen. Ich setze das Geld, das wir diesen Abend noch verdienen, gegen eine gleiche Summe. Tut Ihr mit?“

„Aber natürlich, ich weiche nie!“

Johann nahm die Würfel und warf achtzehn in zweimal. Während nun der andere die Würfel von der Tafel nahm und sie beim Sprechen ganz absichtslos in der Hand zu halten schien, gaben die Soldaten neben Johann genau darauf acht. Sie sahen deutlich, daß der Bretone die Würfel nochmals an seine Lippen führte, und dank dieser List einmal zehn und einmal zwölf warf.

„Ihr habt verloren, Freund Johann!“ rief er.

Ein furchtbarer Faustschlag war die Antwort auf diesen Zuruf; Blut strömte aus seinem Mund, und einen Augenblick war er ganz betäubt, denn der Schlag hatte sein Hirn erschüttert.

„Ihr seid ein Schelm, ein Dieb!“ schrie Johann; „ich habe gar wohl gesehen, wie Ihr die Würfel naß machtet und mich so um mein Geld betroget! Ihr sollt mir alles wiedergeben, oder …“

Der Bretone ließ ihn nicht fortfahren. Er zog sein breites Schwert und stürzte unter furchtbaren Schmähungen auf ihn los. Auch Johann hatte sich kampfbereit gemacht und schwur blutige Rache. Aber dazu kam es nicht. Schon blitzten die beiden Klingen bereits im Lampenschein, und alles kündete unvermeidliches Blutvergießen, als ein anderer Krieger in die Stube trat.