„Aber,“ fuhr De Coninck fort, „mein Besuch hat einen anderen Zweck, Meister Jan. Ihr wißt, daß wir gelobt haben, die junge Machteld zu beschützen.“

„Was gibt's?“ rief Breydel ungestüm. Bange Ahnung verfärbte seine Wangen. „Freund, bringt Ihr eine schreckliche, schmähliche Kunde?“ rief er aus.

„Die Franzosen haben die Tochter unseres Herrn gefangengenommen und fortgeführt!“

Breydel trat einen Schritt vorwärts, hob das Beil vom Boden und schwang es wütend in seiner Faust. Seine Lippen bewegten sich, aber kein Wort kam aus seinem Mund; endlich rollten zwei glänzende Tränen über seine Wangen, Tränen der Wut und Rachsucht.

„O Löwe von Flandern!“ keuchte er, „so gehen sie mit Deinen Kindern um; und das sollte ich dulden? Nein, nein, jetzt ist's vorbei, De Coninck, es ist vorbei! Ich höre auf nichts; heute muß ich Blut sehen, viel Blut, oder ich sterbe!“

„Ruhig, mein Freund,“ antwortete De Coninck, „ruhig, und nehmt Vernunft an: Euer Leben schuldet Ihr dem Vaterland und dürft es nicht nutzlos wagen.“

„Ich will nichts hören,“ fuhr Jan Breydel fort. „Ich danke Euch für Euren weisen Rat, aber ich mag und kann ihn nicht befolgen. Spart Eure Worte, sie sind fruchtlos.“

„Aber, Meister Jan, laßt Euch nicht so hinreißen; Ihr könnt die Franzosen doch nicht allein verjagen.“

„Das kümmert mich nicht, so weit denke ich nicht. Rache für die Tochter des Löwen, und dann den Tod! O, jetzt bin ich glücklich! Mein Geist riß sich wieder empor, mein Herz schlägt wieder kühn und stark! Aber ich will mich beruhigen; sagt mir nur, was Ihr wißt.“

„O, nicht viel. Heute ganz früh hat mich ein Diener des Herrn van Nieuwland geweckt. Von ihm erfuhr ich, daß die edle Machteld in der Nacht fortgeführt worden ist, und daß der Verräter Brakels den Franzosen zum Führer gedient hat.“