„Brakels!“ rief Breydel; „noch einer mehr für mein Beil; der soll den Franzosen nicht mehr dienen!“
„Wohin man die Jungfrau gebracht, weiß ich nicht; vermutlich nach Schloß Male; denn der Diener hat diesen Namen zweimal von den Söldnern nennen hören. Ihr seht wohl, Breydel, es wäre besser, Genaueres abzuwarten, statt so unbesonnen zu Werke zu gehen. Ja, es ist fast gewiß, daß die edle Jungfrau bereits nach Frankreich gebracht worden ist.“
„Ihr pocht an eines Tauben Tür,“ rief Breydel; „ich sage Euch, nichts kann mich mehr wankend machen. Ich will und muß fort, vergebt mir, daß ich Euch stehenden Fußes verlasse.“
Er barg das Beil unter seinem Wams und wandte sich hastig nach der Tür; aber De Coninck hatte ihm rasch der Weg vertreten. Wie ein Tiger, der in der Schlinge hängt, spähte Breydel im Laden umher, als suchte er einen Ausgang. Sein Körper neigte sich vor, seine Muskeln waren gespannt, wie wenn er sich auf etwas stürzen wollte, das seine Flucht hemmte.
„Laßt die nutzlosen Versuche,“ redete ihm De Coninck zu, „ich versichere Euch, Ihr werdet mit dem Beil nicht ausgehen. Ihr seid mir zu teuer, und ich halte es für meine Pflicht, Euch vor Unheil zu bewahren.“
„Laßt mich durch, Meister Peter,“ rief der Obmann der Fleischer, „ich bitte Euch, laßt mich fort. Ihr quält mich grausam.“
„Nein, hierin bin ich unerbittlich; glaubt Ihr, Ihr wäret Euer eigener Herr, daß Ihr Euer Leben nach Belieben wagen dürftet? O nein, Meister, Gott hat Euch eine tiefere Seele geschenkt, und das Vaterland hat in Euch einen kräftigen Mann gefunden, um Euch zum Schutz für unsre Freiheit am Leben zu erhalten. Bedenkt diese hohe Sendung, Meister, und vergeudet Eure Kräfte nicht durch nutzlose Rache.“
Während De Coninck so sprach, besänftigte sich die Aufregung des Fleischers. Seine Haltung wurde ruhig, und man hätte glauben können, daß er durch die weise Rede seines Freundes überzeugt worden sei. Das war zwar nicht Verstellung, aber auch nicht der wahre Ausdruck seiner Gefühle. Er schwankte zwischen Rachsucht und Besonnenheit, ohne innerlich zur Ruhe zu kommen.
„Ihr habt recht, mein Freund,“ sprach er, „ich lasse mich zu leicht hinreißen; aber Ihr wißt, es gibt Leidenschaften, deren Drängen man nicht widerstehen kann. Ich will meine Waffe da wieder an die Wand hängen; nun werdet Ihr mich doch herauslassen; ich muß ja heute noch nach Thourout, um Vieh zu kaufen.“