„Den Schaden würden wir der schönen Edeldame zu danken haben … Aber wer mag es nur sein? Ich für meinen Teil glaube, es ist die Frau eines mächtigen Meuterers, und sie wird zu den anderen nach Frankreich geführt. Sie wird noch bitteres Brot essen …“

Der Vorsteher der Fleischer war von seinem Sessel aufgestanden, und während er lässig in der Stube auf und ab ging, um seine Aufregung zu verbergen, brummte er mit leiser Stimme einige Worte eines Volksliedes:

Seht ihr den schwarzen Leu'n sich recken
So stolz in reichem, goldnem Feld?
Seht seine mächt'ge Riesenklaue
Mit der ein Schlag den Gegner fällt!
Seht ihr sein blutig Auge blitzen:
Seht ihr der Mähne wirre Pracht? –
Der Leu ist unser Leu von Flandern,
Des Rast die Welt noch bangen macht.

Als die Franzosen diese Töne hörten, waren sie äußerst erstaunt.

„Hört,“ sagte einer, „das ist das Lied der Klauwaerts; welche Frechheit! Wagt es der Vlaeme, in unserer Gegenwart so etwas zu singen!“

Breydel hatte diese Worte wohl gehört. Aber er sang ruhig weiter, ja, er hob sogar seine Stimme, als ob er den Franzosen trotzen wollte:

Vor seiner Klauen Schlag im Osten
Der Feinde zitternd Heer entfleucht;
Die ungestümen Sarazenen,
Den Halbmond hat sein Blick verscheucht.
Dann zog er wiederum gen Westen,
Verlieh, der Tapferkeit zum Lohn,
Dem unverzagt'sten seiner Söhne
Den Königs- oder Kaiserthron.

„Aber was bedeutet dieser Gesang, den ihr ewig im Munde führt?“ fragte Leroux einen Vlaemen aus dem Schloß, der bei ihm saß.

„Nun, er besagt, daß der schwarze Löwe von Flandern seine Klauen in den Halbmond der Sarazenen geschlagen und Graf Boudewyn zum Kaiser gemacht hat.“