„Hört mal, Vlaeme,“ rief Leroux Breydel zu, „Ihr müßt doch zugeben, daß der schreckliche schwarze Löwe vor dem Lilienbanner unseres mächtigen Fürsten, Philipps des Schönen, fliehen mußte; jetzt ist er sicher für immer tot.“
Meister Jan lächelte und antwortete mit verächtlichem Spott:
„Das Lied hat noch einen Schlußvers, hört nur:
Nun schlummert er. – Der Welschen König
Schlug ihn in eisern Kerkerband.
So drangen feige Räuberbanden
Tief in des Leuen Vaterland …
Wenn er erwacht – dann weh euch, Räuber!
Die Klaue bringt euch schlimmen Tod:
Die stolze Pracht der weißen Lilie
Besudelt er mit Blut und Kot.
Fragt nun, was das bedeutet!“
Als Leroux sich den Sinn dieser Worte hatte erklären lassen, warf er heftig seinen Sessel um, schenkte seinen Becher bis zum Rande voll und rief:
„So will ich denn doch mein Leben lang eine feige Memme sein, wenn ich Euch nicht den Hals breche, falls Ihr noch ein Wort sagt!“
Jan Breydel lachte spöttisch bei dieser Drohung und antwortete:
„Schwört nicht solche Sachen, Ihr macht die Rechnung ohne den Wirt. Denkt Ihr, ich werde vor Euch schweigen? Vor allen Franzosen der Welt würde ich auch nicht ein einziges Wort unterdrücken. Und, um Euch das zu beweisen, trinke ich auf die Ehre des Löwen, – und ich verachte die Franzosen, hört Ihr es?“
„Kameraden,“ sagte Leroux wutbebend, „laßt mich allein mit dem Vlaemen kämpfen, er soll durch meine Hand sterben.“