Nun zogen die Kämpfer die Köpfe zwischen die Schultern, die Augen blitzten unter den gefalteten Brauen, Zähne und Lippen preßten sich hart zusammen, und so stürzten sie wie zwei rasende Stiere aufeinander los. Von jeder Seite fiel ein schwerer Faustschlag auf des Gegners Brust, wie ein Hammer auf einen Amboß, und beide Streiter taumelten zurück; aber das entflammte sie zu noch größerer Wut. Sie stießen ein dumpfes Geheul aus und umschlangen sich mit den Armen wie mit zwei eisernen Gürteln; jetzt drückten sie sich gegenseitig mit furchtbarer Gewalt nieder. Arme, Beine, Schenkel – alle Glieder zeigten ungewöhnliche Kraft; denn sie preßten sich furchtbar widereinander, und manchmal stöhnten die Streiter ob der quälenden Quetschungen infolge dieses erbitterten Ringens. Das Feuer der Raserei brannte in ihren grimmen Zügen, und ihrer Augen Weiß war ganz mit Blut unterlaufen. Doch keiner konnte den andern aus seiner Stellung bringen; es war, als wären ihre Füße am Boden festgewurzelt. Breydels Adern waren so geschwollen, daß sie wie Bänder auf seinen Armen lagen. Dampfender Schweiß troff strömend von den Wangen der Kämpfer, und ihr Atem ward kurz und abgerissen. Ihre Brust senkte und hob sich rasch; aber man hörte nichts als einige Flüche, und dazwischen dumpfes Stöhnen.
Nachdem sie solcherart einige Zeit miteinander gerungen hatten, trat der Franzose etwas zurück, umschlang Breydels Hals und drückte ihm den Kopf unwiderstehlich vornüber, so daß er wankte und sich niederbeugte. Leroux ließ ihm keine Zeit, sich aufzurichten. Er benutzte seinen Vorteil – nun noch ein kräftiger Druck, und Breydel mußte seine Knie unter dieser furchtbaren Gewalt beugen.
„Da kniet der Löwe schon,“ rief Leroux und versetzte Breydel einen so entsetzlichen Schlag auf den Kopf, daß dem das Blut aus dem Munde stürzte.
Aber dabei hatte er Breydel mit einer Hand loslassen müssen. Als er eben die Hand reckte, um dem Vlaemen den Garaus zu machen, sprang dieser auf und wich drei Schritt zurück. Schnell, wie der Blitz, schnellte er brüllend auf den Franzosen los und umfaßte ihn mit solcher Wut, daß ihm die Rippen im Leibe krachten. Aber auch der schlang seine Glieder wie Schlangen um Breydels Körper mit einer Kraft, die noch durch Übung und Gewohnheit gesteigert wurde. Der junge Vlaeme fühlte, daß sich seine Beine unter den Knien des Franzosen bogen und den Grund verloren. Dies anhaltende Ringen, darin er zum erstenmal in seinem Leben seinen Mut zuschanden werden sah, war ihm qualvoller als die Hölle. Schaum trat auf seine Lippen, und er wurde ganz toll vor Wut; plötzlich riß er sich von dem Franzosen los, senkte sein Haupt gegen die Brust und warf sich ihm entgegen. Wie eine Sturmramme gegen eine Mauer stieß Breydels Stirn gegen die Brust seines Feindes, also daß dieser wankend zurückwich und nun auch ihm das Blut aus Nase und Mund stürzte. Ehe er sich wieder erholen konnte, fiel des Vlaemen Faust wie ein Stein zerschmetternd auf sein Haupt, und er stürzte mit einem Schmerzensschrei zu Boden.
„Ihr habt des Löwen Klauen gespürt,“ keuchte Breydel.
Die Söldner, welche diesem Ringen beiwohnten, hatten ihren Genossen durch Worte und Zurufe ermutigt, sich jedoch in den Kampf nicht weiter eingelassen. Während sie den röchelnden Leroux vom Boden aufhoben, verließ Breydel langsamen Schrittes den Platz und kehrte in das Wirtshaus zurück. Er verlangte einen anderen Krug Bier und tat mehrere Züge, um seinen Durst zu löschen. Er saß eine Weile an dem Tisch, und seine Müdigkeit begann zu schwinden, als sich die Tür hinter seinem Rücken auftat. Ehe er sich umdrehen konnte, um zu sehen, wer hereinkam, ward er von starken Männern gepackt und zu Boden geworfen. In einem Augenblick wimmelte das ganze Haus von bewaffneten Franzosen. Breydel kämpfte lange mit nutzloser Anstrengung gegen seine Feinde. Macht- und kraftlos blieb er endlich still liegen und betrachtete die Franzosen mit giftigem Blick wie einer, der töten will oder den Tod erwartet. Gar mancher Söldner bebte beim Anblick des dahingestreckten Vlaemen; denn während sein Leib regungslos am Boden lag, rollten seine flammenden Augen so gar stolz und drohend, daß die Herzen der Umstehenden banges Ahnen durchschauerte.
Ein Ritter, dem man an der Kleidung den Anführer ansehen konnte, näherte sich Breydel vorsichtig. Er befahl, ihn in jeder Bewegung zu hindern, und sagte zu dem Vlaemen:
„Wir kennen uns schon längst, schändlicher Bursch! Im Walde von Wijnendaal habt Ihr den Schildknappen des Herrn von Châtillon erschlagen und uns Ritter mit dem Messer zu bedrohen gewagt. Nun untersteht Ihr Euch wieder, auf dem Grund und Boden meines Rechtsgebieters einen meiner besten Leute zu ermorden. Euch soll nach Euren Taten geschehen; noch heute soll man Euch einen Galgen auf den Mauern von Male errichten, damit die Brügger Meuterer sich an Euch ein Beispiel nehmen.“
„Ihr seid ein Verleumder!“ rief Breydel, „ich habe ehrlich um mein Leben gekämpft, und wenn Ihr mich nicht mit verräterischer Gewalt daran hindert, so würde ich Euch beweisen, daß ich keine Reue habe!“
„Ihr habt Frankreichs Wappen zu lästern gewagt!“