„Wo sind meine Gesellen?“ rief Breydel ungeduldig.
„Nun, Meister,“ antwortete der Bursche, „die sind nach dem Pand, denn die Fleischer sind eiligst zusammengerufen.“
„Was ist denn wieder geschehen?“
„Ich weiß nicht recht, Meister, aber der Stadtbote hat vor dem Rathaus einen Befehl verlesen, daß alle Bürger, welche ihren Lebensunterhalt mit ihrer Hände Arbeit gewinnen, jede Woche am Samstag einen Silberpfennig von ihrem Arbeitslohn an die Zollknechte zahlen müssen. Es heißt allgemein, dies sei die Veranlassung zu der Zunftversammlung, die der Obmann der Weber angeordnet hat.“
„Bleib du hier und schließe den Laden,“ hieß ihn Breydel; „sage meiner Mutter, daß ich diese Nacht nicht nach Hause komme. Sie braucht sich nicht zu ängstigen.“
Er nahm sein gewohntes Beil von der Wand. Als er es unter seinem Wams verborgen hatte, verließ er seine Wohnung und begab sich nach dem Pand seiner Zunft. Sobald er in den Saal trat, verbreitete sich ein freudiges Gemurmel unter den Gesellen, und sie riefen:
„Ha! Da ist Breydel, unser Obmann.“
Jeder, der einstweilen seinen Platz eingenommen hatte, stand auf und bot ihm den großen Sessel an. Aber Breydel setzte sich nicht wie gewöhnlich an das obere Ende, sondern nahm einen kleineren Stuhl und ließ sich mit bitterm Lächeln darauf nieder.
„O meine Brüder,“ rief er, „kommt, reicht mir die Hand, denn ich habe eure Freundschaft nötig. Mir und unserer Zunft ist heute eine tiefe Schmach widerfahren.“