Meister und Gesellen drängten sich um Breydels Sessel. Nie hatten sie eine so tiefe Bestürzung und Betrübnis an ihm bemerkt; er schien unsagbaren Folterqualen zu erliegen. Aller Augen richteten sich fragend auf ihn; nach einem tiefen Seufzer fuhr er fort:
„Ihr echten Söhne von Brügge habt nun schon zu lange mit mir diese Schmach erduldet, auch ihr könnt die Sklaverei nicht ertragen. Aber, o Himmel, wüßtet ihr, was mir heute widerfahren ist, so würdet ihr wie Kinder weinen. O über die unerhörte Schande! Ich wage nicht, es auszusprechen, die Schmach quält mich zu sehr.“
Schon waren die gebräunten Gesichter all dieser Männer von Wut gerötet. Noch kannten sie nicht den Grund ihres Zornes, und doch ballten sie schon krampfhaft die Fäuste und stießen furchtbare Flüche aus.
„Hört,“ fuhr Breydel fort, „und erliegt nicht der Scham. Hört wohl, tapfere Brüder! Die Franzosen haben euren Obmann ins Gesicht geschlagen, und diese Wange ist durch einen schmählichen Backenstreich entehrt.“
Unbeschreiblich war die Wut, die den Fleischern bei diesen Worten aufstieg. Unerhörtes Rachegebrüll stieg zur Decke des Saales empor, und jeder schwur bei sich, diese Schmach zu rächen.
„Und womit“, fragte Breydel, „wäscht man solchen Schandfleck ab?“
„Mit Blut!“ schrien alle.
„Ihr versteht mich, Brüder,“ fuhr der Obmann fort, „ja, Blut allein kann mich rächen. Wisset denn, daß die Besatzung des Schlosses Male mich also behandelt hat. Sprecht denn mit mir: Morgen soll die Sonne kein Schloß von Male mehr finden!“
„Sie soll es nicht mehr finden!“ wiederholten alle Fleischer mit wilder Rachegier.
„Kommt,“ sprach Breydel, „laßt uns gehen. Jeder kehrt nach seiner Wohnung zurück, macht sich bereit und nimmt sein bestes Beil. Besorgt euch womöglich auch andere Waffen und Gerätschaften, denn wir müssen das Schloß ersteigen. Gegen elf Uhr in der Nacht werden wir uns alle im Elsterbusch hinter Saint Kruis zusammenfinden.“