Nachdem er den Ältesten noch einige besondere Anordnungen erteilt hatte, verließ er den Pand, und auch seine Genossen gingen bald heim. Noch ehe jene Stunde auf dem Turm von Saint Kruis geschlagen hatte, konnte man nächtlings beim schwachen Scheine des zunehmenden Mondes zwischen den Bäumen und auf allen Pfaden um das Dorf einen Haufen Menschen erblicken. Alle eilten derselben Richtung zu und verschwanden einer nach dem andern im Elsterbusch. Einige von ihnen trugen Armbrüste, andere Keulen; doch die meisten hatten keine sichtbaren Waffen. Jan Breydel stand in der Mitte des kleinen Gehölzes und beratschlagte mit den Meistern der Zunft, von welcher Seite man den Angriff auf das Schloß wagen sollte.

Endlich einigten sie sich, den Graben neben der Brücke mit Holz zu füllen. Dann wollte man versuchen, die Mauer zu übersteigen. Der Obmann ging rastlos zwischen den vielen Gesellen umher, die damit beschäftigt waren, Stauden und kleine Bäume umzuhauen und in Bündel zu binden. Sobald er sich überzeugt hatte, daß es ihnen nicht an Leitern fehle, gab er den Befehl zum Aufbruch. Die Fleischer verließen das Gehölz, um Schloß Male zu zerstören.

Den Chroniken zufolge waren es ihrer siebenhundert; und dennoch waren sie so einig in ihrer Rachegier, daß sich nicht ein einziger unvorsichtiger Laut aus dieser Menge vernehmen ließ. Man hörte nur das Rascheln des Reisigs, das man nachschleifte, und das Bellen der Hunde, die von dem ungewohnten Geräusch aufgeschreckt wurden. Einen Bogenschuß vom Schlosse blieben sie stehen, und Breydel ging mit einigen Gesellen voraus, um die Feste zu erkunden. Die Torwache hatte das Geräusch ihrer Schritte gehört; so lauschte sie, da sie noch im Zweifel war, mit größerer Aufmerksamkeit und kam auf den Wall heraus.

„Warte,“ sprach einer der Gesellen Breydels, „ich werde den lästigen Wächter da einmal heimschicken.“

Damit spannte er seine Armbrust und zielte auf die Schildwache. Er erreichte sein Ziel, doch der Pfeil zersplitterte an dem Panzer des Franzosen. Der lief, durch diesen Schlag erschreckt, zurück und schrie aus voller Kraft:

„Frankreich! Der Feind! Zu den Waffen! Zu den Waffen!“

„Vorwärts, Genossen!“ rief Breydel. „Vorwärts! Hierher mit den Bündeln!“

Die Fleischer warfen einer nach dem andern ihre Bündel in den Graben; bald war er hinlänglich ausgefüllt, um über ihn hin wie über eine Brücke zum Fuß der Mauer gelangen zu können. Die Leitern wurden angesetzt, und ein Teil der Vlaemen erstieg die Mauer, ohne Gegenwehr zu finden. Auf den Ruf der Schildwache war die Besatzung aus den Betten gesprungen, und in wenigen Augenblicken waren mehr denn fünfzig bekleidet und gewappnet. Die Zahl verstärkte sich rasch. Besser noch als der Ruf der Wache hatte das Geschrei der Fleischer die Schlafenden geweckt.

Jan Breydel befand sich mit nur dreißig seiner Gesellen innerhalb des Schlosses, als eine große Schar Ritter und Söldner gegen ihn anstürmte. Anfangs fiel gar mancher Fleischer; denn da sie keine Panzerhemden hatten, konnte nichts die Pfeile der Franzosen hemmen. Doch das dauerte nicht lange; in kurzer Zeit waren alle Vlaemen innerhalb der Mauern.

„Seht, Brüder,“ rief Breydel, „ich beginne das Schlachten! Mir nach!“