Wie sich ein Pflug selbst eine Spur in die Erde gräbt, so bahnte sich Breydel einen Weg durch die Franzosen. Jeder Schlag mit seinem Beil kostete einem Feind das Leben, und das Blut seiner Schlachtopfer strömte in Bächen von seinem Wams. Wütend wie er warfen sich die anderen Vlaemen von allen Seiten auf die Söldner, und ihr Jauchzen übertönte das Todesgeschrei der Franzosen.

Während solcherart im Vorhof und auf den Wällen gekämpft wurde, hatte der Burgvogt, Herr von Saint-Pol, in aller Eile einige Pferde satteln lassen. Als man ihm verkündete, daß keine Hoffnung mehr wäre, und daß die meisten Söldner erschlagen seien, ließ er das Tor öffnen. Dann wurde mit Gewalt ein weinendes Mädchen aus dem Gebäude geschleppt, und nachdem sie in den Armen eines Söldners auf einem der Pferde Platz gefunden hatte, durchschwammen alle Reiter den Graben und verschwanden zwischen den Bäumen des Waldes. Es war den Franzosen unmöglich, der Gewalt der Fleischer zu widerstehen, zumal ihnen letztere an Zahl überlegen waren. Eine Stunde später war keiner mehr in Male, der nicht sein Leben auf vlaemischem Boden empfangen hatte. Man durchsuchte über zwei Stunden mit Fackeln alle Gemächer und Keller des Schlosses, doch traf man nirgends mehr einen Feind, denn wer nicht getötet worden war, hatte sich durch's Nottor ins Freie geflüchtet.

Nachdem sich Breydel von einem Diener des Schlosses genau alle Räume hatte zeigen lassen, nahm er mit Recht an, daß die Jungfrau Machteld fortgeführt war. Nun überließ er sich ganz seiner Wut und steckte das herrliche Schloß an allen vier Ecken in Brand. Während die Flammen zum Himmel aufloderten und schon ein großer Teil der Mauern krachend zusammenstürzte, hieben die Fleischer Bäume, Brücken und alles, was vernichtet werden konnte, nieder, bis das Schloß ein Bild gänzlicher Zerstörung darbot. Die Glocken der umliegenden Dörfer läuteten Brand, und die Bauern verließen ihre Hütten, um das Feuer zu löschen, aber es war zu spät. Von der gräflichen Burg stand nichts mehr als die vier glühenden Mauern.

Ja, ja, mag denn die morgige Sonne vergebens nach dem Schloß von Male suchen!

Da nunmehr die Rache vollzogen war, kamen die Fleischer wieder zusammen und verließen die Brandstätte mit siegesfrohem Gesang: sie sangen das Lied vom schwarzen Löwen.

[XIII.]

Als die Franzosen während des Krieges 1296 ganz Westflandern besetzten, leistete ihnen Schloß Nieuwenhove hartnäckigen Widerstand. Zahlreiche vlaemische Ritter hatten sich unter Robrecht van Bethune darin eingeschlossen und wollten es nicht übergeben, solange sich auch nur einer von ihnen noch verteidigen konnte. Aber die Überzahl der Feinde machte ihren Heldenmut nutzlos; sie blieben fast alle auf den Mauern der Feste. Die Franzosen drangen durch die zerstörten Wälle ein, aber sie fanden nur Leichen; und da sie ihre Wut nicht an Feinden auslassen konnten, steckten sie das Kastell in Brand, rissen die Mauern nieder und füllten die Gräben mit Schutt aus.

Die Überreste von Nieuwenhove lagen ungefähr zwei Meilen von Brügge nach Kortrijk zu. Inmitten eines dichten Waldes, fern von den Wohnstätten der Landleute, wurden diese Trümmer selten besucht, zumal das beständige Krächzen der Nachtvögel bei den abergläubischen Dorfbewohnern den Glauben erweckt hatte, daß die Geister der gefallenen Vlaemen hier um Rache oder Genugtuung riefen.

Hatte auch der Brand das ganze Schloß in Flammen gesetzt, so war es doch nicht völlig zerstört, und die Mauerreste ließen seine ursprüngliche Form noch erkennen. Das Gebäude stand, war aber mit unzähligen Spalten und Rissen gelockert. Die Dächer waren eingestürzt, und von den zerstörten Fenstern war nur noch die steinerne Einfassung übrig. Alles trug den Stempel eiliger Zerstörung; denn einige Teile waren unversehrt geblieben, während andere sorgfältig vernichtet waren. Auf dem Vorhof, den die halb geborstene Festungsmauer umschloß, lagen hier und da Schutthaufen, wie sie der Zufall aufgetürmt hatte.