Als Breydel durch eine zweite Frage sich die Sache aufklären wollte, ertönte aus dem Zuge eine kräftige Stimme gleich dem Geheul des Wolfes und schrie:

„Vorwärts! Vorwärts! Wir Ärmsten! Die französischen Reiter verfolgen uns!“

Und alle stürzten verzweifelt weiter, und mit unglaublicher Schnelligkeit flüchtete die Menge in der Finsternis vorbei. Da erschollen gleichzeitig mehrere Klagerufe:

„Wehe, wehe! Sie verbrennen unsere Vaterstadt! Seht, die Flammen steigen über unseren Dächern auf. O wehe, wehe!“

Breydel war bis dahin erstaunt stehen geblieben. Nun wandte er den Blick nach der Stadt und gewahrte rote Flammen und Rauchwirbel über den Wällen. Wut und Schmerz lohten in seiner Brust auf. Er wies nach der Stadt und rief:

„O Leute, gibt es Feiglinge unter euch, die ihre Stadt so verwüsten lassen? Nein! Sie sollen sich nicht an diesem Freudenfeuer ergötzen! Auf, auf, werft alles aus dem Weg! Wir müssen durch!“

Gefolgt von seinen Genossen warf er sich mit unwiderstehlicher Gewalt in die Menge und trieb die erschreckten Familien auseinander. Ein furchtbarer Lärm, ein schreckliches Geheul entstand, und die Flüchtlinge liefen eilig nach allen Seiten aus dem Wege, denn sie glaubten, daß die französischen Reiter ihnen nach dem Leben trachteten. Es fiel Breydel nicht schwer, durch die flüchtenden Frauen und Kinder zu dringen, und er kam rasch genug vorwärts. Während er sich noch verwunderte, keine streitbaren Leute oder Zunftgenossen anzutreffen und vergebens nach ihnen ausspähte, stieß er unerwartet auf eine geordnete Rotte. Es waren viele Gesellen von der Weberzunft, und alle bewaffnet, wenn auch gar kunterbunt: sie trugen Armbrüste, Messer, Beile oder was sie sonst an Waffen gefunden hatten. Ein Hauptmann ging strammen Schrittes vor ihnen her und sperrte so den Weg wie mit einem Schlagbaum. Immer mehr solche Scharen kamen nach und nach aus der Stadt, und die Zahl der Bewaffneten betrug fast fünftausend Mann. Breydel wollte sich dem Hauptmann nähern, aber jetzt hörte er etwas weiter eine Stimme, die das Geräusch der Waffen beherrschte. Er erkannte De Coninck an seinen Worten:

„Behaltet nur Ruhe und Mut im Herzen, meine Gesellen! Daß niemand sein Glied verläßt! Und geht nicht hastig vorwärts, damit ihr nicht in Unordnung kommt. Vorwärts die dritte Rotte, schließt auf den Troß! Hauptmann Lindens, brecht Euren linken Flügel!“

„Aber was bedeutet das?“ rief Jan Breydel, indem er zu De Coninck trat. „Ihr ergötzt euch an schönen Übungen und duldet, daß man unsere Stadt verbrennt? Wollt ihr als Memmen euren Frauen und Kindern auf der Flucht folgen? Ach, was seid ihr für jämmerliche Feiglinge!“

„Immer hitzig, immer leidenschaftlich!“ entgegnete De Coninck. „Was redet Ihr nur von Brennen? Seid ganz ruhig, die Franzosen werden schon nichts verbrennen.“