Das ging dem Obmann der Fleischerinnung innerlich nahe. De Conincks Darlegung fiel ihm schwer aufs Herz, und wenn er nicht viel dagegen einzuwenden wußte, so quälte es ihn doch sehr, daß er sie so hinnehmen sollte.
„Aber, Meister,“ rief er aus, „Ihr scheint hinterher Reue zu empfinden; das wäre doch eine Schande. Haben wir nicht unser Leben und unsere Rechte verteidigt, hat uns nicht die Liebe zu unserem gesetzmäßigen Herrn, dem Löwen, dazu getrieben? Ich weiß mich frei von aller Missetat; – und ich hoffe bestimmt, daß mein Beil noch nicht sein letztes Schlachtopfer gesehen hat. Wohl bin ich zuweilen geneigt, Euer unbegreifliches Verhalten zu tadeln, so wage ich es doch nicht, weil Eure Wege geheimer sind als die anderer Sterblicher.“
„Ihr habt recht, es steckt noch etwas anderes dahinter, und das ist der Knoten, den ich Euch lösen will. Ihr habt immer gedacht, Meister Jan, daß ich zu langsam in unserer Sache gewesen bin; aber hört, was ich tat, während Ihr aus Rachsucht das Blut der Feinde nutzlos vergosset. Ich habe unseren Grafen Gwijde von unseren Bemühungen zur Befreiung des Vaterlandes in Kenntnis gesetzt, und er hat sie durch seine fürstliche Billigung bekräftigt. Jetzt sind wir keine Meuterer mehr, mein Freund, jetzt sind wir gesetzliche Feldobersten unseres Landesherrn.“
„Dank Euch, Meister,“ rief Breydel begeistert aus, „nun versteh' ich Euch. Wie klopft mir das Herz bei diesem Ehrennamen! Ja, ich war ein Meuterer, und ich wußte es, aber nun bin ich ein würdiger Krieger. Die Franzosen sollen die Wandlung spüren.“
„Von dieser Billigung unseres Fürsten habe ich Gebrauch gemacht,“ erzählte De Coninck weiter, „alle Freunde des Vaterlands zum allgemeinen Aufstand aufzustacheln, und das ist mir geglückt. Auf den ersten Ruf werden in allen Städten Flanderns mutige Klauwaerts aus dem Boden wachsen!“
Der Obmann der Weber empfand ein glückhaftes Ahnen; eine Träne blinkte an seinen Wimpern, und er drückte Breydels Hand, während er fortfuhr:
„Und dann, mein heldenmütiger Freund Breydel, dann soll die Sonne der Freiheit nicht einen lebenden Franzosen mehr bescheinen, und aus Furcht vor unserer Rache werden sie uns den Löwen wiedergeben! Uns, uns, Brügges Söhnen, wird Flandern seine Freiheit verdanken! Wird Euer Geist nicht bei diesem Gedanken von edlem Stolz erfüllt?“
Breydel umarmte De Coninck mit ungestümer Freude.
„Mein Freund, o mein Freund!“ rief er, „wie greifen mir doch Eure Worte ans Herz. Ein unbeschreibliches Gefühl hebt mich empor, ich bin der glücklichste Mensch auf Erden! O Vaterland, wie groß machst Du die Seelen derer, die Dich lieben! Seht, Meister Peter, in diesem Augenblick würde ich den Namen eines ‚Vlaemen‘ nicht gegen die Krone Philipps des Schönen vertauschen!“