„Ihr wißt noch nicht alles, Meister. Der junge Gwijde von Flandern und Johann, der Graf van Namen, haben sich uns angeschlossen; Herr Jan Borluut soll die Genter führen; in Oudenaarde haben wir Herrn Arnold; in Aalst Herrn Balduin van Papenrode. Herr Johann van Renesse versprach uns all seine Vasallen aus Seeland, und noch eine ganze Reihe mächtiger Lehensherren wird uns beistehen. Was sagt Ihr nun von meiner Langsamkeit und Geduld?“
„O, ich bewundere Euch, teurer Freund, und danke innerlich Gott, daß er Euch so viel Verstand gegeben hat. Nun ist es mit den Franzosen aus! Auch für das Leben des letzten gebe ich keine sechs Grooten mehr.“
„Heute morgen um neun Uhr werden die vlaemischen Herren zusammenkommen, um den Tag der Rache zu bestimmen. Der junge Gwijde bleibt als Feldherr unter uns; die übrigen kehren geradeswegs nach ihren Gütern zurück und halten ihre Leute bereit. Es wäre ratsam, daß auch Ihr mitginget, damit Ihr die getroffenen Maßregeln nicht etwa aus Unkenntnis vereitelt. Wollt Ihr mit mir zum Weißbusch bei Dale gehen?“
„Wenn Ihr es wünscht, Meister; aber was werden unsere Genossen zu unserer Abwesenheit sagen?“
„Dafür ist schon gesorgt; ich habe sie von meiner Abreise in Kenntnis gesetzt und den Oberbefehl dem Obmann Lindens übertragen. Er wird sich mit unseren Leuten nach Damm begeben, um uns dort zu erwarten. Kommt, wir reisen sofort ab, denn schon graut der Tag!“
In aller Eile wurden zwei gesattelte Pferde vorgeführt, und nachdem Breydel seinen Fleischern die nötigen Befehle gegeben hatte, verließen die beiden Obmänner das Dorf Saint-Kruis. Während ihres schnellen Rittes konnten sie nicht viel reden. Immerhin beantwortete De Coninck Breydels Fragen in abgerissenen Sätzen und legte ihm den großen Entwurf der allgemeinen Befreiung dar. Nachdem sie so eine ganze Stunde mit verhängtem Zügel dahergeritten waren, sahen sie die zerstörten Türme von Nieuwenhove über die Bäume ragen.
„Das ist gewiß Nieuwenhove, wo der Löwe so viel Franzosen erschlagen hat?“ fragte Breydel.
„Ja, noch eine halbe Meile vom Weißbusch.“
„Ihr müßt zugeben, daß man unseren Herrn Robrecht nicht besser taufen konnte. Er ist wahrhaft ein Löwe, wenn er das Schwert in der Faust führt.“
Dabei waren sie zu der Stelle gekommen, wo der schwarze Ritter mit den Entführern Machtelds gekämpft hatte; sie sahen die blutigen Leichen am Boden liegen.