„Franzosen,“ murmelte De Coninck im Vorbeireiten, „vorwärts, Meister, wir dürfen uns nicht aufhalten.“

Breydel weidete sich an dem gräßlichen Anblick mit innerer Freude; mehrmals trieb er sein Roß über die ausgestreckten Leichen, ohne auf De Conincks Ruf zu achten. Der Obmann der Weber mußte wider seinen Willen zu ihm zurück.

„Aber, Meister Breydel,“ rief er, „was treibt Ihr? Um Gottes willen, hört auf, Ihr nehmt ehrlose Rache.“

„Laßt mich“, antwortete Breydel. „Ihr wißt nicht, daß dies die Söldner sind, die mir ins Gesicht geschlagen haben. Aber was ist das? Horcht! Vernehmt Ihr nicht dort hinten aus den Ruinen von Nieuwenhove einen Laut wie die Klagen einer Frau? O, welcher Gedanke kommt mir da; sie haben die Jungfrau Machteld aus Male hierhergebracht!“

Jählings sprang er vom Pferde, und ohne es anzubinden, lief er in aller Eile nach den Ruinen.

Sein Freund folgte ihm; doch Breydel war schon auf dem Vorhof des Schlosses, ehe noch De Coninck vom Pferd gestiegen war. Der brauchte zu dem noch einige Augenblicke, um die Rosse am Wege anzubinden. Je näher Breydel den Ruinen kam, um so deutlicher vernahm er die Klagerufe. Da er nicht rasch genug den Eingang zu dem Orte fand, von dem der Ruf scholl, so stieg er auf einen Haufen Steine und blickte durch ein Fenster in den Saal. Er erkannte Machteld auf den ersten Blick; den schwarzen Ritter aber mußte er natürlich für einen Feind halten. Darob riß er das Beil unter seinem Wams hervor und sprang in den Saal.

„Schändlicher Räuber!“ rief er dem schwarzen Ritter zu; „ehrloser Franzose! Ihr habt lange genug gelebt! Ihr sollt Euch nicht ungestraft an der Tochter des Löwen, meines Herrn, vergriffen haben.“

Der Ritter stand wie versteinert ob dieser plötzlichen Erscheinung und hörte die Drohungen Breydels mit Staunen. Bald jedoch faßte er sich und erwiderte:

„Ihr täuscht Euch, Meister Breydel, ich bin ein Sohn Flanderns. Seid ruhig, die Tochter des Löwen ist gerächt.“