Breydel wußte nicht, was er denken sollte. Noch bebte er vor Wut; aber die Worte des Ritters, der ihm vlaemisch antwortete und seinen Namen nannte, hatten Macht genug, ihn zurückzuhalten. Machteld war bei Breydels Erscheinen durchaus nicht erschrocken; in ihrer Verwirrung war sie sicher, daß der schwarze Ritter einer ihrer Räuber sei, sie lachte froh auf und rief:
„Tod ihm! Er hat meinen Vater eingekerkert und will mich zu der bösen Johanna von Navarra bringen. Der Heuchler! Warum rächt Ihr nicht das Blut Eurer Grafen, Vlaeme?“
Der Ritter betrachtete die Jungfrau mit schmerzlichem Mitleiden, und Tränen strömten aus seinen Augen.
„Unglückliches Kind!“ seufzte er.
„Ihr liebt und beklagt die Tochter des Löwen,“ sagte Breydel und drückte dem Ritter die Hand, „vergebt mir, ich habe Euch verkannt.“
In diesem Augenblick trat De Coninck in den Eingang des Saales. Erstaunt erhob er die Hände über das Haupt, warf sich vor dem Ritter auf die Knie und rief:
„O Himmel, der Löwe, unser Herr!“
„Der Löwe, unser Herr?“ wiederholte Breydel, der nun auch neben dem Obmann der Weber niederkniete, „Gott, was wollte ich tun!“
Sie blieben ehrerbietig und tief gebeugt, ohne ein Wort, vor dem Ritter auf den Knien.
„Steht auf, meine getreuen Untertanen,“ sprach Robrecht van Bethune, „ich weiß, was ihr für euren Fürsten getan habt.“