Als sie sich erhoben hatten, fuhr er fort:
„Sehet hier auf meine Tochter! Bedenkt, wie das Herz eines Vaters bei diesem Anblick leiden muß – und nichts habe ich, um ihr zu helfen: keine Speise und keinen Trank, als das kalte Wasser des Baches. Ihr seht, der Herr prüft mich mit harten Schlägen!“
„Wolltet Ihr, durchlauchtigster Graf, nur befehlen, daß ich Euch das alles besorge?“ fragte Breydel. „Darf ein geringer Untertan Euch darin zu Diensten sein?“
Damit lief er schon zur Tür, doch ein gebieterisches Zeichen des Grafen nötigte ihn wieder zurück.
„Geht,“ sprach er, „sucht einen Arzt; aber nur einen getreuen Untertan. Nehmt ihm den Eid ab, daß er nichts verrät, was er sehen oder hören mag.“
„Herr Graf,“ rief Breydel hocherfreut, „da fällt mir just einer meiner besten Freunde ein, der glühendste Klauwaert in Flandern. Er wohnt zu Wardamme, und ich werde ihn gleich herbringen.“
„Nennet aber den Löwen von Flandern nicht. Und euch beiden empfehle ich unverbrüchliches Stillschweigen an. Geht!“
Breydel verließ den Saal. Nun richtete der Graf an den Obmann der Weber mancherlei Fragen über des Landes Angelegenheiten und meinte dann:
„Ja, Meister De Coninck, ich habe in meiner Gefangenschaft durch Herrn Dietrich und Herrn van Nieuwland von Euren mißglückten Versuchen erfahren. Es tut mir unendlich wohl, noch so treue Untertanen zu haben, während die meisten Edeln mich verlassen.“