„Unglückliche Nichte,“ antwortete Gwijde, „Eure Leiden brechen mir das Herz. O laßt mich Euch umarmen, denn meine Seele dürstet nach Trost; ich bin zu Tode bekümmert.“
Machteld ließ ihren Vater los und bot dem liebevollen Gwijde die Hand dar. Dann sagte sie etwas lauter:
„Herr von Jülich, kommt, gebt mir auch einen Kuß, und Ihr, mein teurer Oheim Johann, drückt mich an Eure Brust: ihr alle seid mir so herzlich zugetan.“
Sie wurde der Reihe nach von all ihren Verwandten geliebkost, und war in tiefster Seele glücklich; alsbald war das überstandene Leid aus ihren Gedanken entschwunden. Als Wilhelm von Jülich zu ihr trat, beschaute sie ihn verwundert von Kopf bis zu Füßen und fragte:
„Was bedeutet das, Herr Wilhelm? Warum tragt Ihr diesen Harnisch über Eurem Priestergewand, weshalb führt Ihr, ein Diener des Herrn, dieses lange Schwert?“
„Der Priester, der das Vaterland verteidigt, streitet auch für die Altäre seines Gottes!“ gab er zur Antwort.
De Coninck und Breydel standen mit entblößtem Haupt etwas abseits von ihrem Ruhelager und nahmen an der allgemeinen Freude teil. Machteld schaute sie ob ihrer Liebe dankbar an; sie zog das Haupt ihres Vaters an ihre Brust und fragte mit leiser Stimme:
„Wollt Ihr mir etwas geloben, mein vielgeliebter Vater?“
„Alles, mein Kind; ich bin von Herzen froh, wenn ich Deine Wünsche erfüllen kann.“
„So bitte ich Euch, mein lieber Vater, daß Ihr diese beiden treuen Untertanen nach Verdienst belohnt; sie haben Tag für Tag ihr Leben für das Vaterland aufs Spiel gesetzt.“