„Ich will Deinen Wunsch gern erfüllen, Machteld; ich werde dafür sorgen, daß sie Dich ein anderes Mal gleichfalls umarmen dürfen, wenn sie es, wie jetzt, verdient haben. Nun laß mich los, ich muß mit Gwijde sprechen.“

Er winkte seinen Bruder heran und führte ihn aus dem Saal in den Vorhof.

„Lieber Bruder,“ sagte er, „es ist angemessen, die Liebe dieser beiden Obmänner unserer guten Stadt Brügge nicht unbelohnt zu lassen; ich gebe Euch deshalb die nötige Vollmacht, diesen meinen Wunsch auszuführen. Ich wünsche, daß Ihr auf dem Schlachtfelde inmitten aller Zünfte De Coninck und Breydel in Gegenwart all ihrer Gesellen zu Rittern schlagt; so soll die Liebe zum Vaterland in ihnen geadelt werden. Bewahret diesen Befehl wie ein Geheimnis in Eurem Herzen, bis die Zeit gekommen ist. Nun wollen wir wieder in den Saal zurück, denn ich muß Euch verlassen.“

Robrecht trat zu seiner Tochter heran, ergriff ihre Hand und sprach:

„Mein Kind, Du weißt, wie ich aus meiner Gefangenschaft herauskam: ein edelmütiger Ritter setzt für mich sein Leben in dem Kerker aufs Spiel. Werde nicht traurig, Machteld, beuge Dich mit mir dem schrecklichen Schicksal …“

Machteld unterbrach ihn und antwortete:

„O, ich kenne das traurige Wort, das auf Euren Lippen schwebt: Ihr müßt mich verlassen!“

„Du hast es gesagt, mein edles Kind; ich muß in meinen Kerker zurück; ich habe bei meiner Treue gelobt, nur einen Tag in Flandern zu bleiben. Weine nicht, das Unglück wird uns nicht lange mehr verfolgen.“

„Ich werde nicht weinen, das wäre eine große Sünde. Ich bin dem Herrn dankbar für so viel Trost und werde durch Geduld und Gebet mein Glück von ihm zu verdienen suchen. Gehet, mein Vater, gebt mir noch einen Kuß, und mögen die Engel des Himmels Euch auf Eurer Reise begleiten.“