Als die beiden Obmänner in Breydels Zelt gekommen waren, setzte sich dieser matt und niedergeschlagen an einen Tisch und ließ das Haupt auf die Brust sinken. Er sagte nichts; ein bitteres Lächeln glitt über seine Züge, als spottete er des eigenen Unglücks.
„Mein unglücklicher Freund,“ sprach De Coninck, „beruhigt Euch um Gottes willen.“
„Beruhigt Euch, beruhigt Euch!“ wiederholte Breydel, „bin ich nicht ruhig? Habt Ihr mich je so ruhig gesehen?“
„Lieber Freund,“ fuhr De Coninck fort, „wie bitter sind doch die Qualen Eurer Seele; ich sehe den Tod auf Eurem Gesicht. Trösten kann ich Euch nicht; – Euer Unglück ist zu groß, für solche Wunden weiß ich keinen Balsam.“
„Ich wohl,“ antwortete Breydel, „der Balsam, der mich heilen kann, ist mir bekannt, aber mir fehlt die Macht. O meine arme Mutter! Sie haben ihre Hände in dein Blut getaucht, weil dein Sohn ein Vlaeme ist – und dieser Sohn, ach, dieser Sohn kann dich nicht rächen!“
Sein Gesichtsausdruck änderte sich bei diesem Ausruf; er knirschte mit den Zähnen und packte die Füße des Tisches, als ob er ihn zerbrechen wollte; trotzdem wurde er bald wieder ruhig, und tiefste Trauer beschattete sein Gesicht.
„Nun, Meister, seid ein Mann, überwindet Eure Verzweiflung. Seid mutig bei dem bitteren Leid, das Euch heute trifft; das Blut Eurer Mutter soll gerächt werden.“
Ein grauenhaftes Lächeln trat wieder auf Breydels Lippen, und er entgegnete:
„Gerächt werden? Wie leicht gelobt Ihr etwas, das Ihr nicht halten könnt! Wer kann mich rächen? Ihr nicht. Glaubt Ihr, daß ein Strom französisches Blut hinreicht, um meiner Mutter Leben wieder zu erkaufen? Ruft das Blut eines Tyrannen seine Schlachtopfer wieder ins Leben zurück? O nein, sie sind tot, für immer, für ewig, mein Freund! Ich werde still und ohne Klagen leiden; nichts kann mich trösten; wir sind zu schwach, unsere Feinde zu mächtig.“
De Coninck antwortete nicht auf Breydels Worte und schien über etwas Wichtiges zu sinnen. Zuweilen glitt ein Schatten über sein Gesicht, als ob er sich Gewalt antäte, die innere Wut zu verbergen. Breydel betrachtete ihn neugierig in der Meinung, daß etwas Außergewöhnliches in der Brust seines versonnenen Freundes vorging. Der leidenschaftliche Ausdruck verschwand von De Conincks Gesicht, er stand langsam auf und sprach: