Herr von Châtillon und Jan van Gistel, der Leliaert, waren in Montenays Haus geflüchtet. Furchtbarste Angst hatte sie gepackt, denn sie sahen den sicheren Tod vor Augen; Châtillon war ein mutiger Ritter und erwartete kaltblütig sein Schicksal. Jan van Gistel dagegen war bleich und bebte. Trotzdem er sich Gewalt antat, konnte er seine Angst nicht verhehlen und erregte das Mitleid der anderen Franzosen, selbst bei Châtillon, der doch in derselben Gefahr schwebte. Die Herren waren in einem Saal des oberen Stockwerks nach der Straße zu. Von Zeit zu Zeit gingen sie zum Fenster und blickten schaudernd auf die Fleischer, die vor den Türen lagerten wie ein Haufen Wölfe, die auf ihre Beute lauern. Als auch van Gistel zum Fenster trat, hatte Breydel ihn bemerkt und mit dem Beil bedroht. Eine jähe Bewegung entstand unter den Fleischern. Alle hatten ihre Waffen zu dem Verräter, den sie töten wollten, erhoben. Wie bebte des Leliaerts Herz, als ihm diese tausend Beile sein Todesurteil entgegenblitzten! Er wandte sich zu den anderen Rittern und sprach gar kläglich:
„Wir müssen sterben, meine Herren, es gibt keine Gnade für uns; denn sie dürsten nach unserem Blute wie rasende Tiger. Sie werden nicht fortgehen; ach Gott, was sollen wir tun?“
„Durch dieses Pack umzukommen,“ entgegnete Châtillon, „ist nicht ehrenvoll. Ich wünschte, ich wäre wie ein Ritter mit dem Degen in der Faust gefallen; aber nun läßt sich das nicht ändern!“
Châtillons Kaltblütigkeit entmutigte van Gistel noch mehr.
„Es läßt sich nicht ändern!“ wiederholte er, „ach Gott, welch schrecklicher Augenblick, wie werden sie uns martern! Herr von Montenay, ich bitte Euch um Gottes willen, Ihr vermögt doch so viel über sie, fragt doch, ob sie uns für großes Lösegeld das Leben schenken wollen.“
„Ich werde sie fragen,“ antwortete Montenay, „aber laßt Euch nicht sehen, sonst holen sie Euch aus dem Hause!“
Er öffnete das Fenster und rief:
„Meister Breydel! Herr van Gistel läßt Euch fragen, ob Ihr ihm gegen ein großes Lösegeld freies Geleit gewähren würdet. Verlangt alles, was Ihr wollt, bestimmet selbst die Summe. Verweigert es nicht, ich bitte Euch.“
„Leute!“ rief Breydel seinen Genossen bitter lachend zu, „sie bieten uns Geld! Sie glauben, die Rache eines Volkes könnte mit Geld gesühnt werden; sollen wir das annehmen?“