Der Ritter verfärbte sich bei diesen Worten und betrachtete das Mädchen mit seltsamem Blick. Er faßte sich jedoch schnell und sprach:

„Machteld, habt Ihr an meiner Zuneigung zweifeln können? O, das ist nicht recht von Euch! Wirklich, Ihr seid allerdings verändert! Welche Krankheit, welcher Kummer hat Euch so gequält, meine arme Schwester, daß alle Farbe aus Euren Wangen gewichen ist? Ich habe geweint und war erschreckt. Ja, aber es war aus Mitleid, aus Teilnahme an Eurem Schicksal. Immer, immer will ich Euer Freund und Bruder sein, Machteld. Ich will Euch trösten durch eine frohe Nachricht, durch gute Neuigkeiten Euch heilen!“

Die Jungfrau war allmählich heiterer geworden. Die Stimme Adolfs übte einen wunderbaren Einfluß auf sie aus, und froh und lebhaft antwortete sie: „Eine gute Nachricht, sagt Ihr, Adolf? Gute Nachricht von meinem Vater? O, sprecht, sprecht, mein Freund!“

Dabei zog sie zwei Stühle zu ihrem Sessel und bot sie Maria und ihrem Bruder an. Adolf reichte Machteld die eine Hand, die andere seiner teuren Schwester. So saß er inmitten der beiden nun weniger bekümmerten Mägdelein wie ein tröstender Engel, auf dessen Worte man lauscht wie auf ein frommes Lied.

„Freut Euch, Machteld, dankt Gott für seine Güte. Euer Vater ist zwar betrübt, doch ganz gesund nach Bourges zurückgekehrt; niemand denn der alte Kastellan und Dietrich der Fuchs wissen um seine kurze Abwesenheit. Er genießt noch Freiheit in seinem Gefängnis; die Feinde, die ihn bewachen müssen, sind seine besten Freunde geworden.“

„Aber wenn die böse Johanna Frankreichs Schmach an ihm rächen wollte, wer würde ihn dann vor ihren Henkersknechten schützen? Ihr seid nicht mehr bei ihm, edler Freund.“

„Seht, Machteld, die Wachen, denen die Feste zu Bourges anvertraut ist, sind alle alte Krieger, die ob schwerer Wunden zu weiten Kriegsfahrten nicht mehr tauglich sind. Die meisten unter ihnen haben die Heldentaten des Löwen von Flandern zu Benevent mit erlebt. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, welche Liebe, welche Bewunderung ein echter Krieger vor dem Manne fühlt, dessen Name die Feinde Frankreichs so oft erzittern machte. Wenn Herr van Bethune ohne Erlaubnis des Kastellans, ihres Befehlshabers, entfliehen wollte, würden sie ihn ohne Zweifel zurückhalten; aber ich versichere Euch, – denn ich kenne den Edelmut dieser Krieger, die unter dem Harnisch ergraut sind, – daß sie alle ihr Blut für ihn dahingeben würden, wenn man auf dem von ihnen so verehrten Haupte nur ein Härlein krümmen wollte. Fürchtet nichts, das Leben Eures Vaters ist in Sicherheit, und wäre ihm Euer neues Unglück nicht so nahe gegangen, er würde seine Haft geduldig ertragen.“

„O, wie gut sind Eure Nachrichten, mein Freund, wie hold erklingen Eure Worte meinem erleichterten Herzen! Ich fühle mich bei Eurem Lächeln wieder aufleben; fahrt fort, damit ich Eurer Stimme noch weiter lauschen kann.“

„Noch süßere Hoffnungen gab mir der Löwe für Euch mit auf den Weg, Machteld. Vielleicht steht die Befreiung Eures Vaters nahe bevor; vielleicht werdet Ihr in kurzem mit ihm und all Euren Blutsverwandten wieder in dem schönen Wijnendaal sein.“