„Erst ein Lied!“ riefen die Fleischer; „er kommt nicht fort, ehe er ein Lied gesungen hat!“

„Macht rasch,“ rief Breydel; „wenn Ihr uns nicht das Vergnügen gewähren wollt, einige Lieder zu hören, dann halte ich Euch bis morgen hier. Hättet Ihr gleich gutwillig damit angefangen, so wäret Ihr schon fertig damit. Singt, ich befehle es Euch!“

Die Furcht des Sängers steigerte sich angesichts dieses strengen Befehls; nur mit Mühe konnte er die Harfe in den Händen halten, denn er bebte so, daß die Saiten des Instruments seine Kleider streiften und davon erklangen. Dies kitzelte die Lust der Fleischer noch mehr.

„Wollt Ihr spielen oder singen?“ rief Breydel; „wenn Ihr nicht eilt, so ergeht's Euch schlecht!“

Zu Tode erschrocken, griff der Sänger mit seinen zitternden Händen in die Harfe. Aber er brachte nur falsche, wirre Töne hervor. Nun merkten die Fleischer, daß er nicht spielen konnte.

„Er ist ein Spion,“ rief Breydel, „entkleidet ihn und seht nach, ob er nichts bei sich trägt.“

In einem Augenblick waren ihm die Oberkleider vom Leibe gerissen, und wenngleich er flehentlich um Gnade bat, wurde er bei dieser Untersuchung von einer Ecke in die andere gestoßen.

„Hier habe ich's!“ rief ein Fleischer, der mit der Hand zwischen das Wams auf der Brust des Unbekannten gegriffen hatte, „hier ist der Verrat!“

Als er die Hand aus dem Wams hervorzog, hielt er darin ein Pergament. Es war in drei- oder vierfaches Wachstuch gewickelt, und daran hing ein Siegel, das mit Flachs umwunden war, um es vor dem Zerbrechen zu schützen. Der Sänger stand zitternd da, als hätte er den Tod vor Augen; während er den Vorsteher ängstlich ansah, murmelte er einige unverständliche Worte, welche die Fleischer aber nicht hörten.

Jan Breydel ergriff das Pergament, und nachdem er es entfaltet hatte, starrte er es lange Zeit an, ohne daß ihm dadurch die mindeste Aufklärung wurde.