„Gebt ihn uns,“ schrien sie, „sein Blut, sein Leben!“
Breydel nahm den alten Fleischer bei den Schultern, schob ihn von Brakels weg und rief:
„Besudelt Euch nicht mit dem Blute dieses Verräters! Er ist zu verächtlich, sonst wäre er bereits durch meine Hand getötet worden.“
„Nein,“ rief der Fleischer, sein Beil erhebend, „ich muß an diesem Spiel meine Freude haben. Man tut ein verdienstliches Werk, wenn man einen Landesverräter erschlägt. Laßt mich, Meister, ich bitte Euch um Gottes willen; nur einen Schlag.“
„O Meister, habt doch Mitleid mit mir … ich werde dem Vaterland getreulich dienen … tötet mich doch nicht!“
Breydel betrachtete ihn voll Wut und tiefer Verachtung, setzte ihm einen Fuß in die Seite und schleuderte ihn plötzlich bis in die andere Ecke des Zeltes. Inzwischen hatten die Fleischer die größte Mühe, die Menge zurückzuhalten, die voll Rachsucht das Zelt umringte.
„Gebt ihn uns,“ rief die wütende Schar, „ins Feuer, ins Feuer!“
„Ich will nicht,“ sprach Breydel mit gebieterischem Blick zu seinen Leuten, „daß das Blut dieser Schlange eure Beile beflecke. Er soll dem Volke ausgeliefert werden.“
Der Befehl war noch nicht ausgesprochen, als schon ein Mann aus der Schar hervortrat und Brakel eine Schnur um den Hals warf; dann rissen sie den Verräter rücklings über und schleiften ihn aus dem Zelte. Seine bangen Schreie verschmolzen mit dem stürmischen Jauchzen der Menge. Nachdem sie ihn rund um das Lager geschleift hatten, kamen sie unter johlendem Geheul zu dem Feuer und zogen ihn vier-, fünfmal durch die Glut, bis er ganz unkenntlich geworden war. Dann setzten sie ihren Lauf wieder fort und verschwanden mit dem leblosen Körper in der Finsternis. Lange noch hörte man ihr Geschrei in der Ferne, und noch lange zerrten sie die Leiche des Verräters, bis sie schließlich eine Stunde später ganz verstümmelt an einem Galgen beim Feuer zur Schau aushing. Dann kehrten alle in ihre Zelte zurück, und tiefe Stille folgte diesem schrecklichen Lärm.