Alle Ritter und Edelfrauen waren abgestiegen und hatten ihre Pferde den Schildknappen übergeben. Gwijde ließ die vier Waffenträger vortreten und bot den Obmännern die überaus kostbare Rüstung dar; der Harnisch wurde ihnen angelegt und der Helm mit der blauen Feder ihnen aufs Haupt geschnallt.
Die Brügger betrachteten diese feierliche Handlung mit ruhiger Aufmerksamkeit. Ihre Herzen waren von Zufriedenheit erfüllt, und sie waren so bewegt, als ob ihnen selbst diese Ehre widerfahren wäre. Als die Obmänner in ihr Gewaffen gekleidet waren, mußten sie das eine Knie zur Erde beugen; dann trat Gwijde vor und erhob sein Schlachtschwert über De Conincks Haupt.
„Herr De Coninck,“ sprach er, „seid ein treuer Ritter, verletzt nie die Ehre und greift nie zum Schwert, es sei denn für Gott, Euer Vaterland und Euren Fürsten.“
Damit versetzte er ihm dem Brauch der Ritterschaft zufolge einen leichten Schlag mit seinem Schlachtschwert. Ebenso wurde Jan Breydel zum Ritter geschlagen. Zu gleicher Zeit trat Machteld aus dem Zug und stellte sich vor die knienden Obmänner; sie nahm die Schilde aus den Armen der Knappen und hing sie um den Hals der neuen Ritter. Viele Zuschauer bemerkten, daß sie den Schild zuerst um Breydels Hals gehängt hatte, und daß dies absichtlich geschehen sein mußte, da sie deshalb einige Schritte seitwärts zu tun hatte.
„Dies Wappen ist ein Geschenk meines Vaters für Euer Edeln,“ sprach sie, mehr zu Breydel hingewandt; „ich weiß, edle Herren, daß ihr sie vor aller Schmach bewahren werdet; ich freue mich, daß ich an der Belohnung eurer Vaterlandsliebe teilnehmen kann.“
Breydel sah die junge Edeldame mit tiefster Dankbarkeit an; seine Augen sprachen den Eid feurigster Zuneigung und Aufopferung. Er würde sich ohne Zweifel der edlen Jungfrau zu Füßen geworfen haben, aber die feierliche Haltung der umstehenden Ritter machte zu großen Eindruck auf ihn; erstaunt, bewegungslos stand er da, ohne zu sprechen.
„Meine Herren, nun könnt ihr zu euren Leuten zurückgehen,“ sprach Gwijde. „Wir hoffen, daß ihr diesen Abend in unseren Rat kommen werdet, wir müssen mit euch eine längere Besprechung haben. Führet nun eure Truppen nach dem Lager zurück.“
De Coninck verbeugte sich leicht und ging fort, und ebenso tat es Breydel; aber kaum hatte sich dieser einige Schritte entfernt, als er schon die Last der Waffen inne wurde, die ihn überall beklemmte; er kehrte hastig zu Gwijde zurück und sprach:
„Edler Graf, ich ersuche Euer Edeln um noch eine Gunst.“