Die zweite Abteilung stand unter dem Befehl Renaulds von Trier und zählte dreitausendzweihundert schwere Reiter. Sie saßen auf großen, kräftigen Schlachtrossen und hatten ein breites, glänzendes Schwert rechts geschultert; Harnische von Eisen umhüllten ihren Leib, und Platten aus einem Stück waren überall um ihre Glieder geschnallt. Den größten Teil dieser Leute hatte das Gebiet von Orleans geliefert.
Der Herr Konstable von Nesle führte die dritte Abteilung. Erst kam eine Schar von siebenhundert edeln Rittern, in schimmernder Rüstung und mit zierlichen Fähnlein an ihren Speeren; flatternde Federbüsche hingen von ihren Helmen auf den Rücken herab, und ihre Wappen waren in allerlei Farben auf ihren Harnischen dargestellt. Die Pferde waren vom Kopf bis zu den Füßen mit Eisen bekleidet, und zierliche Troddeln hingen überall an ihrer Seite. Mehr als zweihundert gestickte Standarten ragten über diese Schar empor; das war unstreitig der herrlichste Ritterzug, den man in diesen Zeiten sehen konnte. Alle waren auf das kostbarste bewaffnet. Hinter ihnen kamen noch zweitausend Söldner zu Pferde, mit langen Marteelen oder Waffenhämmern auf den Schultern, dann hing noch das Schlachtschwert an ihrem Sattel. Sie waren aus Geschwadern zusammengesetzt, die zum stehenden Heere Philipps des Schönen gehörten.
Die Spitze der vierten Abteilung führte Herr Ludwig von Clermont, ein erfahrener Krieger. Sie bestand aus dreitausendsechshundert Lanzenreitern, die das Königreich Navarra gestellt hatte. An ihrer gleichmäßigen Bewaffnung konnte man wohl bemerken, daß es erlesene, wohlgeübte Truppen waren. Vor dem ersten Gliede ritt der Fahnenträger mit der großen Standarte von Navarra.
Robert Graf d'Artois, der Oberfeldherr des Heeres, hatte die fünfte, die Hauptabteilung unter seinen Befehl genommen. Alle Ritter, die keine Leute mitgebracht oder sie den anderen Scharen einverleibt hatten, befanden sich bei ihm. Die Könige von Majorka und Melinde ritten an seiner Seite. Unter allen anderen stach Thibaut II., Herzog von Lothringen, durch seine kostbare Rüstung hervor; ebenso bemerkte man die stolzen Standarten der Herren Johann Graf von Tarcanville, Angelin von Vimeu, Renold von Longueval, Farald von Reims, Arnold van Wesemaal, Marschall von Brabant, Robert von Mortfort und unzählige andere. Diese Abteilung übertraf die dritte noch an Pracht. Die Helme der Ritter waren versilbert oder vergoldet und ihre Harnische an den Gelenken mit goldenen Knöpfen verziert. Die Sonne, die auf den blinkenden Stahl ihrer Rüstungen niederbrannte, hüllte diesen herrlichen Zug in flammende Glut. Die Schlachtschwerter, die an ihrer Seite hingen, schwankten hin und her und schlugen klirrend an die eiserne Bedeckung der Pferde. So entstand ein fortwährendes Klingen und Klirren, das den Zug wie Kriegsmusik auf dem Wege begleitete. Auf die edeln Ritter folgten fünftausend Reiter mit Streitäxten und Waffenhämmern. Außerdem gehörten zu dieser Abteilung noch sechzehntausend Fußmannen, welche in drei Gruppen geteilt waren. Die erste bestand aus tausend Armbrustschützen; sie hatten nur eine stählerne Brustplatte und einen flachen, viereckigen Helm als Schutzwaffe; kleine Köcher voll eiserner Pfeile hingen an ihrem Gürtel und lange Degen an ihrer Seite. Die zweite Schar zählte sechstausend Mann. Sie war mit Keulen bewaffnet, die am dicken Ende mit furchtbaren stählernen Spitzen beschlagen waren. Die dritte bestand aus Helmhauern mit langen Beilen. Alle diese Leute waren aus der Gascogne, der Languedoc und der Auvergne[35] gekommen.
Herr von Châtillon, der Landvogt, führte den Befehl über die sechste Abteilung. Deren zahlreiche Glieder bestanden aus dreitausendzweihundert Söldnern zu Pferde. Auf die Wimpel ihrer Speere hatten sie flammende Besen gemalt, zum Zeichen, daß sie Flandern säubern wollten; sie hatten die schwersten Pferde vom ganzen Heer, und doch konnten auch diese nur mit Mühe unter der Last all des Eisens, das sie bedeckte, vorwärtskommen.
Dann folgten die siebente und achte Abteilung; die erstere stand unter dem Befehl von Johann Graf von Aumale, die andere unter dem Herrn Ferry von Lothringen. Jede von ihnen umfaßte zweitausendsiebenhundert Reiter aus Lothringen, der Normandie und der Picardie[36].
Herr Gottfried von Brabant bildete mit seinen eigenen Vasallen, insgesamt siebenhundert wohlgerüsteten Reitern, die neunte Abteilung.
Die zehnte und letzte Abteilung des Heeres war Herrn Gui de Saint-Pol anvertraut; er mußte den Nachtrab bilden und das Gepäck des Heeres bewachen.
Dreitausendvierhundert Reiter von allen Waffengattungen ritten voraus, dann folgte noch ein großer Haufe Fußvolks mit Bogen und Schlachtschwertern. Im ganzen waren es beinahe siebentausend Mann. Ein Teil von ihnen schwärmte mit brennenden Fackeln vom Heere nach allen Richtungen hin aus, um alles, was nur brennen wollte, zu vernichten. Endlich folgten unzählige Troßwagen, die mit den Zelten und dem Kriegsgerät beladen waren.
So zog das französische Heer, in zehn Scharen geteilt und über sechzigtausend Mann stark, langsam den Weg dahin, der nach Kortrijk führte. Das Auge konnte diesen ungeheuren Zug in seiner ganzen Ausdehnung gar nicht erfassen; die vordersten waren schon am Horizont verschwunden, ehe noch die letzten das Lager verließen.