Tausende flatternder Wimpel wehten über dem wandernden Heere, und die Sonne spiegelte sich herrlich blinkend in den Rüstungen der stolzen Truppen. Die Pferde schnaubten und stöhnten unter ihrer Last; die Waffen schlugen klirrend widereinander, und aus all diesen verschiedenen Tönen entstand ein dumpfes Geräusch, das dem Brausen der stürmenden See glich. Überall, wohin die vernichtenden Krieger gedrungen waren, stoben die Flammen in dichten Rauchwolken zum Himmel empor. Nicht eine einzige Wohnung entging der Verwüstung; die Chroniken bezeugen, daß kein Mensch, kein Tier verschont wurde.

Flandern war von Rijssel bis Douai und Kortrijk so verheert, daß sich die französischen Vandalen wohl mit Recht rühmen konnten, es wie mit einem Besen ausgefegt zu haben.

Tief in der Nacht kam das Heer des Herrn d'Artois in die Nähe von Kortrijk. Châtillon kannte die Gegend genau, weil er geraume Zeit in der Stadt gewohnt hatte; deshalb wurde er zum Feldherrn gerufen, um den Platz zum Lager zu bestimmen. Nach kurzer Beratung bogen sie mit den verschiedenen Abteilungen ein wenig rechts ab und schlugen ihre Zelte auf dem Pottelberg und den umliegenden Feldern auf.

Herr d'Artois nahm mit den beiden Königen und einigen vornehmen Herren Besitz von dem Schlosse Hoogmosscher, das unweit des Pottelberges lag. Zahlreiche Wachen wurden ausgestellt, und die übrigen begaben sich ganz furchtlos zur Ruhe; in allzu großem Vertrauen auf ihre Übermacht hätten sie nie geglaubt, daß man es wagen würde, sie anzugreifen.

Solcherart befanden sich die Franzosen etwa eine Viertelstunde vom Lager der Zünfte; die Vorposten konnten einander in der Finsternis auf und ab wandeln sehen.

Die Vlaemen hatten ihre Wachen verdoppelt und befohlen, daß man nur bewaffnet zur Ruhe gehen dürfe.

[XXIII.]

Die vlaemischen Ritter, die in Kortrijk Unterkunft gefunden hatten, lagen alle zu Bett, als sich die Nachricht von der Ankunft der Franzosen in der Stadt verbreitete. Sogleich ließ Gwijde die Trompeten erklingen, die Trommeln rühren, und eine Stunde später waren alle Männer, die in der Stadt sich befanden, auf den Wällen versammelt. Die Ritter waren in voller Rüstung herbeigeeilt; denn sie vermeinten, daß die Franzosen sie unmittelbar angreifen würden.