„O süßer Jesus, Seligmacher, schütze ihn! Und rufe ihn nicht zu dir, o barmherziger Gott!“
„Heilige Mutter Gottes, bitte für uns!“
„O Mutter Christi, Trösterin der Betrübten, bitte für ihn!“
Dann tönte das donnernde Kriegsgetöse noch furchtbarer zu ihnen herüber, und ihre Hände zitterten vor Angst wie Espenlaub; ihre Häupter beugten sich tiefer, ihre Tränen flossen reichlicher, und ihr Gebet wurde wieder unverständlich; denn die Beklemmung raubte ihnen die Sprache.
Der Kampf dauerte lange, das furchtbare Geschrei der widereinander anstürmenden Scharen schwebte fortwährend über der Abtei von Groeningen, aber noch länger dauerte das stille Gebet der Frauen; denn als der goldene Ritter an die Pforte des Klosters klopfte, waren sie noch nicht vom Betstuhl aufgestanden. Plötzlich vernahmen sie dröhnende Männerschritte in dem Gange, der zur Zelle führte. Sie wandten das Haupt, und während sie starr auf die Tür blickten, erbebten beide in einem süßen Vorgefühl des Trostes.
„Adolf kommt wieder!“ schluchzte Maria. „O, unser Gebet ist erhört worden.“
Machteld lauschte sorglicher hin und antwortete niedergeschlagen:
„Nein, nein, er ist es nicht, sein Schritt ist nicht so schwer. O, Maria, vielleicht ein Unglücksbote!“
In diesem Augenblick hörte man die Tür der Zelle in ihren Angeln knarren; eine Nonne öffnete sie und ließ den goldenen Ritter hinein. Die zarte Gestalt Machtelds erstarrte, ihre Augen hefteten sich zweifelnd auf den Krieger, der mit offenen Armen vor ihr stand, um sie zu empfangen. Erst schien es ihr, als ob ein falscher Traum sie narrte; aber dies Gefühl war flüchtiger denn der Blitz, und ungestüm warf sie sich jauchzend an die Brust des goldenen Ritters.
„Mein Vater,“ rief sie, „o mein teurer Vater! Ich sehe Euch wieder, frei, ohne Ketten! Laßt mich Euch in meine Arme schließen! O Gott, wie gütig bist du! Entzieht mir Eure Wange nicht, lieber Vater; laßt mich die Freude, die ich empfinde, ausdrücken.“