„Machteld, mein Kind, warum wirst Du plötzlich so traurig?“
Die Jungfrau erhob nur halb ihr Haupt und antwortete mit leiser Stimme:
„Aber, mein lieber Vater, Ihr sprecht ja gar nicht von Adolf, weshalb kommt er nicht mit Euch?“
Es dauerte einen Augenblick, ehe Robrecht ihre Frage beantwortete; er glaubte, in Machteld ein Gefühl entdeckt zu haben, das, vielleicht ihr selbst noch unbewußt, in ihrem Herzen verborgen ruhte. Nicht ohne Absicht sprach er daher folgende Worte:
„Ihn halten noch einige Geschäfte zurück, mein Kind; noch immer ziehen zersprengte Feinde im Feld umher; die verfolgt er gewiß. Machteld, ich kann Dir sagen, daß unser Freund Adolf der edelste und mutigste Ritter ist, den ich kenne; noch nie sah ich bei jemandem ein so männliches Verhalten. Zweimal hat er meinem Bruder Gwijde das Leben gerettet, bis unter das Kronbanner Frankreichs fielen die Feinde haufenweise unter seinem Schwert; alle Ritter rühmten seine Tapferkeit und gestanden, daß ihm ein großer Teil an der Befreiung Flanderns zukommt.“
Während Robrecht also sprach, hielt er die Augen auf seine Tochter geheftet und folgte jeder Regung, die sich in ihren Zügen aussprach. Er sah darin Freude und Stolz sich ablösen und zweifelte nicht mehr an der Richtigkeit seiner Ahnung.
Maria stand begeistert vor Robrecht; sie lauschte mit Rührung dem Lobe auf ihren Bruder.
Während die junge Machteld ihren Vater in größter Erregung anblickte, vernahm man lautes Stimmengewirr an der Pforte des Klosters; das dauerte nur wenige Augenblicke, dann wurde alles wieder still. Bald öffnete sich die Tür der Zelle, und Gwijde, Robrechts Bruder, trat langsam, mit bedrückter Miene herein; er nahte ihnen und sprach:
„Ein großes Unglück, mein Bruder, trifft uns heute in einem Manne, der uns allen teuer ist. Die Genter haben ihn auf dem Schlachtfeld unter den Toten gefunden und hierher in das Kloster gebracht; seine Seele schwebt auf seinen Lippen, und vielleicht ist seine Sterbestunde nahe. Er wünscht Euch noch zu sehen, ehe er von der Welt scheidet; deshalb bitte ich Euch, ihm diese letzte Gunst zu erzeigen.“