Dann wandte er sich zu Adolfs Schwester und fügte hinzu:

„Euch läßt er gleichfalls bitten, edle Dame.“

Ein schmerzlicher Schrei entfloh dem Munde der beiden Frauen.

Machteld fiel ohnmächtig in die Arme ihres Vaters, und Maria eilte, ohne weiter auf etwas hören zu wollen, mit herzzerreißenden Weherufen zur Tür und verließ die Zelle. Auf diesen Lärm hin kamen zwei Nonnen herbei und empfingen die ohnmächtige Machteld aus den Armen des Ritters; der küßte seine Tochter noch einmal und wollte gehen, um den sterbenden Adolf zu besuchen. Aber die Jungfrau öffnete die Augen, und als sie die Absicht ihres Vaters merkte, riß sie sich aus den Händen der Nonnen los, umklammerte Robrecht und rief:

„Laßt mich mit Euch gehen, Vater, daß er mich noch einmal sieht. Wehe mir, welch tiefer Schmerz zerreißt mein Herz! Mein Vater, ich sterbe mit ihm – schon fühle ich den Tod in mir – ich will ihn sehen: eilt, kommt, o kommt rasch! – Er stirbt – Adolf!“

Robrecht betrachtete seine Tochter voll Mitleid. Jetzt blieb ihm kein Zweifel mehr über das Gefühl, das im geheimen im Herzen seiner Tochter Wurzel gefaßt hatte. Diese Gewißheit machte ihn aber weder bestürzt noch mißmutig. Da es ihm nicht möglich war, seine Tochter durch Worte zu trösten, so drückte er sie fest an sein Herz. Doch Machteld entwand sich bald den zärtlichen Banden; sie zog Robrecht bei der Hand fort und rief:

„O, Vater, erbarmt Euch meiner! Kommt, daß ich noch einmal die Stimme meines guten Bruders höre, daß seine Augen mich noch einmal in diesem Leben anblicken!“

Sie kniete vor ihm nieder, und während Tränen aus ihren Augen strömten, fuhr sie fort:

„Ich bitte Euch, mißachtet mein Flehen nicht. Erhört mich, Vater!“