Der Priester blickte gleichfalls bewegungslos auf den leidenden Ritter. Ihm schien es, als vollzöge sich eine wunderbare Veränderung in seinen Zügen, als strömte wieder mehr Leben in ihn über. Und wirklich, seine Augen erhielten mehr Glanz, und sein Gesicht verlor die Anzeichen des nahenden Todes. Bald richtete er einen Blick voll Liebe auf Robrecht und sprach langsam und mit Anstrengung:
„O, mein Herr und Graf, Eure Gegenwart ist mir ein süßer Trost. Nun kann ich sterben; das Vaterland ist frei! Ihr werdet den Thron in friedensreichen Tagen besitzen … Ich verlasse freudig die Welt, jetzt, da die Zukunft Euch und Eurer edeln Tochter dauerndes Glück verheißt. O, glaubt mir in meiner Todesstunde! Euer Unglück war für mich, Euren unwürdigen Diener, ergreifender als für Euch selbst. So manchmal habe ich in stillen Nächten mein Lager mit Tränen benetzt, wenn ich der traurigen Lage der edlen Machteld und Eurer Gefangenschaft gedachte …“
Dann wandte er das Haupt ein wenig zu Machteld, und ihre Tränen flossen noch reichlicher, als er also sprach:
„Weinet nicht, edle Jungfrau, ich verdiene dieses liebevolle Mitleid nicht. Es gibt noch ein anderes Leben; dort werde ich meine gute Schwester wiedersehen! Bleibet auf Erden, um im Alter Eurem Vater eine Stütze zu sein, und denkt zuweilen in Euren Gebeten an den guten Bruder, der Euch verlassen muß …“
Hier brach er plötzlich ab und schaute wie verwundert um sich.
„Aber, mein Gott,“ sprach er und sah den Priester fragend an, „was ist das? Ich fühle neue Kraft, das Blut kreist freier durch meine Adern.“
Machteld erhob sich und betrachtete ihn mit ängstlicher Erwartung.
Alle blickten gespannt auf den Priester. Der hatte inzwischen den Kranken mit scharfem Blicke gemustert und alle Eindrücke, welche auf ihn gewirkt hatten, geprüft. Er ergriff Adolfs Hand und fühlte ihm den Puls, während alle Umstehenden angstvoll seinen Bewegungen folgten; sie schlossen aus den Mienen des Priesters, daß noch nicht jede Hoffnung dahin war, den Leidenden am Leben zu erhalten.
Der Geistliche setzte schweigend seine Untersuchung fort. Er hob die Augenlider des Kranken auf und betrachtete sie, er öffnete ihm den Mund und ließ die Hand über seine bloße Brust gleiten. Dann wandte er sich zu den umstehenden Rittern und sprach im Tone der tiefsten Überzeugung: