Alle beugten das Haupt, und keiner sprach ein Wort; voll Schmerz sahen sie ein, daß nichts ihren Grafen zurückhalten konnte. Der fuhr fort:
„Meister De Coninck, Eure Weisheit hat uns großen Nutzen gebracht und soll es auch ferner tun; wir berufen Euch in unseren Rat und wünschen, daß Ihr bei uns an unserem gräflichen Hofe verbleibt. Herr Breydel, Eure Tapferkeit und Eure Treue verdienen großen Lohn; seid von jetzt an für immerdar Oberbefehlshaber all Eurer Stadtgenossen, die uns mit den Waffen dienen können; wir wissen, wie ehrenvoll Ihr dieses Amt ausüben könnt. Zudem sollt auch Ihr zu unserem Hofe gehören und dorten wohnen können, wenn es Euch beliebt.“
„Und Ihr, mein Freund Adolf, Ihr verdient noch größeren Lohn. Wir alle waren Zeugen Eures furchtlosen Mutes; Ihr habt Euch des edeln Namens Eurer Vorfahren würdig gezeigt. Ich habe Eure Aufopferung nicht vergessen. Ich weiß, mit welcher Sorge, mit welcher Liebe Ihr mein unglückliches Kind beschützt und getröstet habt; ich weiß, welch reines, welch inniges Gefühl in euer beider Herzen, still und euch selbst unbewußt, lodert. Wohlan, ich will Euch an Edelmut gleichkommen; die durchlauchtige Familie des Grafen von Flandern vereinige sich mit der der Edelherren van Nieuwland; der schwarze Löwe glänze auf Eurem Schilde. Ich gebe Euch mein teures Kind, meine Machteld, zum Weibe!“
Machtelds Brust entfloh nur ein Laut, der Name Adolfs; aber sie ergriff bewegt seine Hand, zitterte heftig und sah ihm tief in die Augen; dann strömten ihre Tränen reichlicher; doch jetzt waren sie durch reinste Freude hervorgelockt. Der junge Ritter sprach gleichfalls kein Wort, sein Glück war zu innig, zu groß, als daß er es hätte ausdrücken können. Er hob nur seine glänzenden Augen voll Liebe zu Machteld empor, voll Erkenntlichkeit zu Robrecht und voll Dankbarkeit zu Gott.
Seit einiger Zeit war lautes Tosen bei dem äußeren Tor der Abtei vernehmlich geworden. Es klang, als ob sich ein Volksauflauf zusammenrottete. Dies Getöse nahm ständig mehr und mehr zu und wuchs bisweilen zu lautem Jauchzen an. Jetzt kam eine Nonne herein und teilte mit, daß eine große Volksmenge vor dem Tor stehe und unaufhörlich verlange, den goldenen Ritter zu sehen. Nun, da die Tür des Saales offen stand, war der Jubelruf „Vlaenderen den Leeuw! Heil unserem Befreier, Heil, Heil!“ bei den Rittern deutlicher zu verstehen.
Robrecht wandte sich zu der Nonne und sprach:
„Wollet ihnen sagen, daß der goldene Ritter, nach dem sie rufen, in wenigen Augenblicken zu ihnen kommen werde.“
Dann trat er zu dem kranken Ritter, ergriff seine noch schwache Hand und sprach:
„Adolf van Nieuwland, meine teure Machteld wird nun Eure eheliche Gemahlin. Der Segen des Allmächtigen komme über eure Häupter und verleihe euren Kindern die Tapferkeit ihres Vaters, die Tugenden ihrer Mutter. Ihr habt mehr verdient; aber es steht nicht in meiner Macht, Euch ein kostbareres Geschenk zu geben, denn das Kind, das der Trost und die Stütze meiner alten Tage werden sollte.“
Während Adolf von Danksagungen überfloß, schritt Robrecht eilig auf Gwijde zu.