„Lieber Bruder,“ sprach er, „ich will, daß diese Hochzeit so bald als möglich mit Pracht gefeiert und durch den Segen der Kirche bekräftigt wird; das ist mein inniger Wunsch. Meine Herren, ich verlasse euch jetzt in der Hoffnung, bald frei und ungehindert für das Glück meiner treuen Untertanen wirken zu können. Ich ersuche euch alle, das Geheimnis von dem wahren Namen des goldenen Ritters aufs sorglichste zu wahren; mein Bruder Gwijde wird den Leuten der Abtei dies gleichfalls befehlen.“

Nach diesen Worten trat er zu Adolf und küßte ihn auf die Wange.

„Lebe wohl, mein Sohn,“ sagte er.

Und seine Machteld ans Herz drückend:

„Lebe wohl, geliebte Machteld. Weine nun nicht mehr über mich; ich bin glücklich, da das Vaterland gerächt ist, und ich werde nun bald zurück sein.“

Dann umarmte er noch seinen Bruder Gwijde, Wilhelm von Jülich und seine anderen Freunde, drückte allen bewegt die Hand und rief:

„Lebt wohl, lebt wohl, ihr alle, edle Söhne von Flandern, treue Waffenbrüder!“

Auf dem Vorhof legte er seine Rüstung an, stieg zu Pferde, ließ das Visier seines Helmes fallen und ritt zum Tor hinaus. Eine unübersehbare Volksmenge hatte sich davor versammelt; sobald sie des goldenen Ritters ansichtig wurde, teilte sie sich in zwei Reihen, um ihn durchzulassen, und begrüßte ihn mit jauchzenden Zurufen.

Wohl hundertmal schallte immer wieder der Ruf: „Heil dem goldenen Ritter! Sieg! Sieg! Unser Befreier!“ Sie winkten mit den Händen, um ihre Freude auszudrücken, und rafften die Erde aus den Hufspuren seines Pferdes wie ein Heiligtum auf. Ihnen schien, daß der heilige Georg, den man während des Kampfes in allen Kirchen von Kortrijk angerufen hatte, ihnen in dieser Gestalt zu Hilfe gekommen war. Daß der Ritter so langsam und schweigsam dahinritt, festigte sie noch in dieser Meinung, und manche fielen, während er vorbeiritt, ehrfurchtsvoll auf ihre Knie nieder. Lange folgten sie ihm nach und schienen sich an seinem Anblick nicht sättigen zu können; denn je länger es dauerte, um so wundersamer erschien ihnen der goldene Ritter. Ihre Einbildung lieh ihm eine Gestalt, wie sie sich die Heiligen vorstellten.

Endlich gab er seinem Pferde den Sporn und verschwand wie ein Pfeil zwischen den Bäumen des Waldes. Das Volk versuchte, seines goldenen Harnisches noch zwischen dem Laube gewahr zu werden, aber vergebens; das Roß hatte seinen Herrn bereits weit aus dem Bereich ihrer Augen entführt. Da sahen sie denn einander an und sprachen traurig: