„Er ist in sein himmlisches Vaterhaus zurückgekehrt!“
[Geschichtliche Darstellung]
bis zur Befreiung Robrechts van Bethune, des dreiundzwanzigsten Grafen von Flandern.
Von den sechzigtausend Mann, die von Philipp dem Schönen ausgesandt waren, um Flandern zu verwüsten, entkamen nur etwa siebentausend, die in aller Eile auf verschiedenen Wegen den französischen Boden zu erreichen suchten. Gui von Saint-Pol hatte bei Rijssel fünftausend von ihnen gesammelt und glaubte, mit ihnen nach Frankreich zu gelangen, wurde aber von einem Teile des vlaemischen Heeres angegriffen und in blutiger Schlacht besiegt; fast alle seine Leute fanden daselbst den Tod, der sie in den früheren Kämpfen verschont hatte. Die excellente Cronike sagt uns, wie viele Franzosen in ihr Vaterland zurückgekehrt sind: ‚Und derer, die entkamen, waren wohl dreitausend Mann, der Rest des ganzen großen Heeres, das da versammelt gewesen war zum Untergang Flanderns; sie konnten die Märe überbringen von ihren Abenteuern, die so traurig waren.‘
Die ausgezeichnetsten Edlen, die tapfersten Ritter blieben vor Kortrijk; ihre Zahl war so groß, daß, wie die Geschichte erzählt, kein Schloß, keine Herrschaft in Frankreich war, da man nicht Trauer anlegte; überall flossen Tränen über den Tod eines Ehegemahls, eines Vaters oder Bruders, und das ganze Land hallte von Klagen wider. Die vlaemischen Feldherren trugen Sorge dafür, das die gefallenen Könige und die vornehmsten Lehnsherren in der Abtei von Groeningen begraben wurden, wie das ein Gemälde kündet, welches sich noch in der St.-Michaeliskirche zu Kortrijk befindet.
Außer den goldenen Gefäßen, kostbaren Stoffen und reichen Waffen fand man auf dem Schlachtfeld siebenhundert vergoldete Sporen; die wurden mit den eroberten Standarten am Gewölbe der Frauenkirche zu Kortrijk aufgehängt, und danach wurde dieser Kampf auch die ‚Schlacht der goldenen Sporen‘ genannt. Auch einige tausend Pferde fielen in die Hände der Vlaemen, die in den folgenden Kämpfen großen Vorteil davon hatten. Vor dem Genter Tor, unweit von Kortrijk, hat man 1831 mitten auf dem ehemaligen Schlachtfeld eine Kapelle zu Ehren Unserer lieben Frau von Groeningen erbaut. Auf dem Altar sind die Namen der gefallenen französischen Feldherren zu lesen, und einer der goldenen Sporen hängt in der Mitte des Gewölbes. In Kortrijk wird dieser frohe Tag jedes Jahr durch ein öffentliches Volksfest gefeiert. Daran schließt sich ein Jahrmarkt, den man Vergaderdag (Versammlungstag) nennt. Jedes Jahr im Monat Juli ziehen die armen Leute von Haus zu Haus und erbetteln alte Kleider, um sie zu verkaufen, so wie man es im Jahre 1302 mit der reichen Beute getan hat; von einem Geiger begleitet, ziehen sie dann zum Potterberg, dem alten Lagerplatz der Franzosen, und erlustigen sich bis zur Tagesneige.
Die Nachricht von der Niederlage des Heeres versetzte den französischen Hof in tiefe Trauer; Philipp der Schöne entbrannte in Wut wider seine Gemahlin Johanna, deren Bosheit an diesem Unheil schuld war. Er machte ihr das mit bitteren Worten zum Vorwurf, so wie es uns Lodewijk van Velthem, ein Dichter, der in jener Zeit lebte und damals seine Reimchronik schrieb, erzählt. –
Der Magistrat von Gent, dem nur Leliaerts angehörten, vermeinte, Philipp der Schöne werde eiligst ein neues Heer nach Flandern senden. Deshalb wollte er die Tore nicht öffnen, um die Stadt so lange als möglich den Franzosen zu erhalten. Doch er wurde bald von den Gentern selbst für diese verräterische Absicht bestraft. Das Volk griff zu den Waffen, der Magistrat und alle Leliaerts wurden ermordet. Die vornehmsten Bürger überbrachten dem jungen Gwijde die Schlüssel der Stadt und gelobten ihm ewige Treue. Inzwischen kam Johann, Graf von Namur, der Bruder Robrechts van Bethune, nach Flandern und übernahm die Regierung; er sammelte schnell ein neues, noch mächtigeres Heer, um den Franzosen widerstehen zu können. Ohne seinen Scharen lange Ruhe zu gönnen, zog er nach Rijssel, das sich nach einigen Stürmen ergab; von dort eilte er nach Douai, nahm auch diese Stadt ein und machte die Besatzung kriegsgefangen; die Stadt Kassel ergab sich ebenfalls. Nachdem er den Franzosen noch einige andere feste Plätze abgenommen hatte und sah, daß keine neuen Feinde aus Frankreich heranrückten, sandte Johann von Namur den größten Teil seines Heeres nach Hause und behielt nur einige erlesene Scharen erfahrener Krieger.
Das Land war nun ruhig, und der Handel begann von neuem zu blühen; die verwüsteten Äcker wurden wieder besät, und es schien, als hätte Flandern neues Leben, neue Kraft bekommen. Man glaubte nicht ohne Grund, daß sich Frankreich nun die Lehre zu Herzen nehmen würde.